Rebstock - Ethik (alle)

Devino M., Samstag, 11. August 2018, 12:24 (vor 71 Tagen)

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte

Definitionen der Affekte:
1. Begierde ist des Menschen Essenz selbst, insofern diese begriffen wird als von irgendeiner ihrer gegebenen Affektionen dazu bestimmt, etwas zu tun.

Erläuterung:
Wir haben in der Anmerkung zu Lehrsatz 9 dieses Teils gesagt, dass Begierde Trieb mit dem Bewusstsein des Triebes ist und dass Trieb des Menschen Essenz selbst ist, insofern sie bestimmt ist, das zu tun, was der Erhaltung des Menschen dient. Doch habe ich in derselben Anmerkung zugleich darauf aufmerksam gemacht, dass ich zwischen menschlichem Trieb und menschlicher Begierde in Wirklichkeit keinen Unterschied gelten lasse. Denn mag ein Mensch sich seines Triebes bewusst sein oder nicht, der Trieb bleibt doch ein und derselbe.

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Es wird oft ein Vergleich zu einem Baum [auch in der Bhagavad Gita der Fall - wie auch in der Bibel] gezogen, in dem Fall kann man auch ein Rebstock nehmen, und des Menschen Triebhaftigkeit daran festmachen. Auf das Ätherische bezogen, was nicht direkt formbezogen ist, ist der Vergleich ganz zutreffend sogar. Denn sofern etwas angefasst wird und Signale ans Bewusstsein sendet, dann hat es ja irgend eine Essenz dahinter. Und so reagieren die Menschen auf dieses und jenes teils unterschiedlich, oder sprechen und springen auf etwas so und so an, oder gar nicht usw.

Wächst einer also zum Erwachsenen heran und wird dann ggf. auch etwas älter und reifer, lässt sich oft feststellen, wie derjenige gewachsen ist. Wurden z.B. gewisse Dinge nicht gepflegt, dann gibt es entsprechende Äste nicht oder manche Äste sind bereits so fest ausgewachsen (ausgeprägt), dass da etwas anderes kaum noch anwachsen und mitwachsen kann. Und so ist es auch nicht abwegig, dass gewisse Äste, die keine Frucht hervorbringen, abgemacht werden können oder sollten.

Nimmt man also den Menschen allgemein als Spezies, dann ist es so, dass fast alles auf gewisse Umstände angewiesen ist, um überhaupt entwicklungsfähige Bedingungen zu schaffen, wie beim Wuchse eines Rebstocks auch. Aus diesem geht auch evident hervor, dass der Mensch ein sehr bedürftiges Lebewesen ist [was sich u.a. am Klimawandel sicher noch weit deutlicher zeigen wird in den nächsten Jahren, so dass ohne ein blaues Auge kaum noch etwas zum besseren gewendet werden können kann - wenn es nicht gar noch zum schlimmeren gereicht].

Soll also heißen, dass der Trieb/die Begierde notwendig dazu gehört [mehr im Sinne der Gunas nach der Bhagavad Gita - d.h. der Trägheit, Leidenschaft, Tugendhaftigkeit], weil der Mensch aus sich heraus, sich selbst nicht soweit befrieden kann, um nicht auf irgend etwas außerhalb seiner selbst, angewiesen zu sein. Es beginnt also in der Selbsterhaltung und endet in der Lust. Von der Art der Begierde selbst aus gesehen, spielt es also keine Rolle, welche Form der Begierde vorliegt, es ist vom Effekt her etwas Ähnliches.

So geht es darum, auf der einen Seite dieses etwas voran zu bringen, bis es ein höheres Niveau erreicht, in dem es dieses widerspiegelt. Wird man daran merken, wenn das gesamte Lebensumfeld der Menschheit (Spezies) als solcher sich umgestaltet. Auf der anderen Seite sich frei zu machen von den Begierden, solchen, die nicht notwendig sind. Nicht durch bloße (Gegen-)Zwänge, sondern dadurch, dass kein Bedürfnis mehr danach entsteht, was für gewöhnlich mittels Einsicht dann erfolgt. Nur darin liegt der Weg aus der Nichtigkeit heraus, so dass das, was am Rebstock wächst, auch die Frucht hervorbringt, die man sich letztlich selber wünscht.

Von Affekten zur Selbstreproduktion - Ethik

Devino M., Sonntag, 12. August 2018, 20:12 (vor 69 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte

Allgemeine Definition der Affekte:
Ein Affekt, der eine Leidenschaft des Gemüts genannt wird, ist eine verworrene Idee, mit der der Geist von seinem Körper oder irgendeinem seiner Teile eine größere oder geringere Kraft des Existierens als vorher bejaht, und von der, wenn sie gegeben ist, der Geist bestimmt wird, eher an dieses als an jenes zu denken.

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Das ist eine sehr gute Zusammenfassung der Affekte. Denn hieraus erklärt sich, warum Affekte überhaupt greifen, einfach weil sie unter der Annahme Erfolg haben, dass man meint, damit sich in seiner größeren Existenz zu bejahen. Es wird zu einem gehörig gesehen, nicht von der Vernunft her, sondern dass man so und so müsse, weil man sich sonst hemmt. Andererseits ist es doch eine Hemmung der vollkommenen Geistigen Idee, die eine Alternative dazu wäre.

Beim Affekt und der Aufnahme dessen, was vom Affekt herrührt, führt man damit etwas für gewöhnlich sich zu, was man doch nicht ist. Und dieses Zugeführte, ist die Ursache der Affekte, so dass man letztlich so und so reagiert oder mit etwas umgeht, ohne wirkliche Handhabe, weil man nicht selbst das Zugeführte ist (so lange wie es in einem ist - was jedoch auch eine gewisse Notwendigkeit sein kann, wie zuvor bereits aufgeführt).

Deswegen auch die Sache mit der verworrenen geistigen Idee, weil es ja nicht wirklich dem eigenen Geist also entspringt und entspricht, auch wenn man es dafür in dem Augenblick hält, da man sonst nicht länger oder weiter davon affiziert wäre. Eine Affektion ist nicht ganz freiwillig, sonst wäre es eine bloße Neigung, die man wählt, allerdings auch anders können kann, im Falle von Neigungen und nicht so sehr bei Affekten.

Es fehlt also in dem Zusammenhang die Selbstreproduktion. Dass ist der Unterschied zum Affekt und dem Beigefügten, woraus der Affekt entsteht. Ist Selbstreproduktion im Spiel, und dies bräuchte kein hohe Kunst sein, dann ist diese vom Grundsatz her von Affekten frei. Selbstreproduktion in dem hier gemeinten Sinne, ist das Erzeugte ohne etwas Zugeführtes, als nur dem, was selbst erzeugt wird, d.h. ohne etwas anderes zwingend in Anspruch zu nehmen.

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