Epikur: Die neue Hoffnung kloppft an die Tür (alle)

Devino M., Montag, 12.12.2022, 22:49 (vor 585 Tagen) @ Devino M.

"Man darf das Schiff nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung binden."

- Epiktet -
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Seine Hoffnung auf eine einzige Sache setzen, ist wie ein Tanz um ein Feuer. Doch welchen Nutzen hat ein Feuer am Tage? Das wahre Feuer, welches man selbst ist, gleicht dann nicht mehr als einer Fackel, die einen über die Nacht verhilft, doch bricht der Tag heran, verliert die Fackel jeden Nutzen. Aktuell brechen die Dämme allmählich und das von geringer Wahrhaftigkeit wird fortgerissen in den Fluten der Wahrhaftigkeit. Alles was also sich an äußere Nichtigkeiten des Lebens geklammert hat, wird so leicht auch in sich selbst keinen Halt finden können. Ihr seid das Licht der Welt, sagte schon Jesus, und nicht, diese eine Hoffnung sei euer Licht.

Die Welt, die sich um einen konstituiert, basiert auf der Energie, die in einem ist. Auch alles Licht, welches man erschaut, ist dasjenige, welches in einem ist. Damit die Dinge sich verändern können, bedarf es also einer Annahme und Aufnahme der Energien und Kräfte und des Lichts, die nach außen fließen und das Erschaffen, was an Veränderung gewünscht ist. Und das was ausgedient hat, kann dann erst gehen, wenn es losgelassen wird. Nicht in dem man sich also immer wieder auf etwas konzentriert, was da ist, verändert man es, sondern in dem man sich auf das konzentriert, was erwünscht ist und noch nicht da ist, vielleicht sogar, was überhaupt nicht denkbar wäre, damit zieht man die Veränderung heran, mit der man womöglich nicht gerechnet hat.

Daher konzentriere man nicht sein Licht auf eine bestimmte Sache, in die man all seine Hoffnung setzt, sondern man konzentriere das Licht in sich selbst und sei selbst die Hoffnung die man sich wünscht, in dem man das kosmische Licht in sich aufnimmt und ausdehnt, statt es in eine bestimmte Sache stecken zu wollen und dann um diese herum zu tänzeln. Darin wird immer mehr der sichtliche Unterschied liegen, zwischen denen, die in der Finsternis der Nacht weiter wandeln und sich nach jedem kleinen Hoffnungsschimmer richten, und solchen die im Licht des Tages wandeln und selbst die Hoffnung in sich tragen. Und ob man durch die verschiedenen Veränderungen in Bestürzung gerät oder sich von diesen einfach zu neuen Ufern und in ein neues Land tragen lässt und sogar die Bestürzung zur Hoffnung selbst wird, da diese nicht im äußeren sondern im innern begründet liegt.

An sich sind Äußeres und Inneres für einen etwas ausgeleiherte Begriffe und mehr von symbolischer Bedeutung auch für solches, wofür einem in mancher Hinsicht noch die Begrifflichkeiten fehlen. Auf der einen Seite sind viele neue und teils weniger vertraute Energien im Raume und es ist sinnvoll alles anzunehmen und sich soweit als möglich zu öffnen. Auf der anderen Seite ist noch manches Alte da, was ausgedient hat. Und wiederrum bahnen sich langsam Sturzbäche ihren Lauf, wo man sich vielleicht noch manchen Halt wünschen wird und eine gewisse geregelte geordnete Stabilität, die allerdings derzeit noch ein Hemmnis für manch Neues ist. Man sollte wohl Veränderung als neue Normalität für eine Zeitlang begrüssen, allerdings sich zügig klar machen, dass alle Hoffnung in einem liegen sollte und nicht auf irgend welchen vertrauten Dingen. Das Neue ist noch nicht vollends entfaltet und das Alte noch nicht gänzlich losgelassen und je mehr daran festgehalten wird, umso unangenehmer die Flut, die jenes forttragen wird. So in etwa empfindet man die Energien, die einem aktuell vorschweben. Allerdings bricht der Damm an mancher Stelle und man steht kurz vor unbekannten Gewässern und bevorstehenden Ereignissen.

Man sollte sich selbst vertrauen und sich nicht für geringschätzig erachten oder sich unter Wert verkaufen, um irgend welcher äußerer Dinge und Hoffnungen. Man selbst ist das Licht und die Hoffnung die gebraucht wird in der Welt, wenn sich Werte und Dinge anfangen zu kreiseln und keinen Stand anbieten können, ist man selbst der Stand von allem. So dass man nicht von den Dingen abhängt, sondern die Dinge von einem. Man selbst ist die kosmische Energie und der Halt für die Dinge um sich. Die Werte sollten nicht nach außen sondern auf die innere Energie verlegt werden, um den Halt nicht zu suchen, sondern den Halt zu bilden für die neuen Energieströmungen. Dann wird man nicht von den äußeren Veränderungen mitgerissen, sondern bildet einen Teil davon und ist auch nicht verloren darin. Man sei der Fluss selbst, statt sich von der Strömung umherschubsen zu lassen und Halt zu suchen.

Dadurch sollte die allgemeine Bestürzung einen nicht in der Form antreffen und sogar zur Freude und zum Trost gereichen, weil die alte Energie freigesetzt wird und für etwas Neues gebraucht werden kann, was bis dahin undenkbar war, auch wenn vieles ungewohnt erscheinen mag anfangs. Der äußere Zirkus wird dann recht schnell verschwinden, da es doch letztlich alles auf Energie die im Raum zur Anwendung kommt fusst und nicht auf den äußeren Dingen die in Erscheinung treten. Daher sollte die neue Hoffnung nicht mehr auf den Dingen ruhen, sondern auf den Hoffnungsträgern und Menschen selbst, die sich in Einklang mit den neuen Energien befinden oder sich schneller auf diese eisntellen, indem sie sich diesen öffnen. Irgendwie geht einem etwas die Sprache abhanden, um das zu benennen, was noch ein wenig vage vorschwebt. Die Hoffnung wurde vielleicht lange Zeit in die Zukunft gelegt, doch kloppft diese Zukunft inzwischen an der Tür und es geht nur noch darum die Tür zu öffnen und sich überraschen zu lassen. Dann stellt sich nur die Frage, ob man bereit dazu ist, für die Hoffnung die einst gehegt wurde? Um diese anzunehmen und zu mutig zu vertreten.


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