B.de Spinoza: Vom Sein und Wollen wollen (alle)

Devino M., Mittwoch, 31.03.2021, 21:51 (vor 208 Tagen) @ Devino M.

"Hochmut ist, wenn ein Mensch sich eine Vollkommenheit beimisst, die bei ihm nicht zu finden ist."

- Baruch de Spinoza -
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Selten ist man das, wofür man sich selbst hält, denn das was man ist, dafür hält man sich nicht, sondern ist es einfach in natürlicher weise. Das was von außen auf einen einwirkt und zukommt, innerlich, sind meist die anderen und auch das, was man hinausprojiziert. Oder was an Energie von einem ausgeht, ein Teil, kehrt über alles andere zu einem zurück. Das Selbst bildet einen Kreislauf. Alles wessen man gewahr werden kann, gelangt mittels des Selbst zu einem, aber nicht alles davon ist man selbst. Sich für etwas zu halten, wie wahr es auch sei, ist trotzdem in dem Moment nicht dasjenige wofür man sich hält, sondern es ist das, was von einem ausgeht und ausströmt, das ist man letztlich selbst. Doch selten wird man sich dessen gewahr und findet es auch gespiegelt vor um darauf direkt reflektieren zu können.

In Summe halten sich die meisten für etwas wesentlich schlechteres, als was sie wirklich sind. Aber das hat mit der Selbstbeschränktheit mehr zu tun, als mit dem, sich für etwas zu halten oder nicht. Sondern schlichtweg, sich selbst im größeren Zusammenhang nicht erkennen zu können. Dort ist man meist besser, als das womit man sich identifiziert hält. Wobei es natürlich auch eingebildete Ausnahmecharaktäre geben mag, die sich für alles mögliche tolle halten, aber einfach nicht erkennen wollen, worin und woran sie wirklich sind. Das ist dann in etwa der Fall, wenn man keine Selbstreflexion besitzt und kein wirkliches Gewahrsein seines Umfelds, sondern sich voll und ganz der eigenen Verblendung hingibt.

Vom Stand des Menschen aus, ist man das was man tut. Vom Stand der Seele, ist man das was man ist. Vom Stand der Monade, ist man der, der man sein wird, weil es mehr nur noch eine Frage der Ausdehnung und Einbezogenheit ist, als die von Zeit. Und alles wofür man sich hält, nun, das ist eben einfach nur das, wofür man sich hält. Ob die Halterung die ist, die es dazu bedarf, um das zu sein, ist oft noch eine andere Frage. Letztlich weiß man es nur, wenn man es in sich erweckt und an sich erkannt hat. Ansonsten ist vieles die eine oder andere Annahme, doch ist dann die Frage ungeklärt, wie viel von dem, was man als Mensch ist, in dem überhaupt steckt, wofür man sich hält, dann ist die Halterung nämlich auch die, auf die es ankommt.


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