Erhabenheit - KdU (alle)

Devino M., Montag, 16. April 2018, 00:43 (vor 156 Tagen)

Kritik der Urteilskraft - Immanuel Kant
§28. Von der Natur als einer Macht

In der Religion überhaupt scheint Niederwerfen, Anbetung mit niederhängendem Haupte, mit zerknirschten, angstvollen Gebärden und Stimmen, das einzig schickliche Benehmen in Gegenwart der Gottheit zu sein, welches daher auch die meisten Völker angenommen haben und noch beobachten. Allein diese Gemütsstimmung ist auch bei weitem nicht mit der Idee der Erhabenheit einer Religion und ihres Gegenstandes an sich und notwendig verbunden. Der Mensch, der sich wirklich fürchtet, weil er dazu in sich Ursache findet, indem er sich bewusst ist, mit seiner verwerflichen Gesinnung wider eine Macht zu verstoßen, deren Wille unwiderstehlich und zugleich gerecht ist, befindet sich gar nicht in der Gemütsverfassung, um die göttliche Größe zu bewundern, wozu eine Stimmung zur ruhigen Kontemplation und ganz freies Urteil erforderlich ist. Nur alsdann, wenn er sich seiner aufrichtigen gottgefälligen Gesinnung bewusst ist, dienen jene Wirkungen der Macht, in ihm die Idee der Erhabenheit dieses Wesen zu erwecken, sofern er eine dessen Willen gemäße Erhabenheit der Gesinnung bei sich selbst erkennt, und dadurch über die Furcht vor solchen Wirkungen der Natur, die er nicht als Ausbrüche seines Zorns ansieht, erhoben wird.
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In der Bhagavad Gita heißt es sinngemäß, dass die Anbetung und ein Opfer basierend auf äußeren Ritualen, von geringerer Bedeutung ist, als das Opfer im Geiste der Erkenntnis oder das des Dienstes. Und selbst wenn sich ein Mensch irgendwelchen geringeren Gottheiten (z.B. Devas) unterwirft, doch letztlich der Geist Gottes es ist, der ihn dazu bestärkt, und den Glauben festigt (selbst also, wenn der Glaube nicht in der angemessenen Weise sich kundtut). Aus Sicht des Göttlichen ist es lediglich, der Glaube stufenweiser Annäherung, ebenso wie der Durchschnittsmensch mit Medizin schneller genesen mag, wie ohne.

Eher kann man daher annehmen, dass wenn man sich eines göttlichen Willens als etwas Äußerem bewusst wird, man daher nicht in diesem ist. Und ist man in diesem, dann merkt man es nicht als einer äußeren Einflussnahme, sondern als eines Teils seiner selbst dann mehr nur. So dass es sich selbst aufrollt und erschließt, und wie es sich selbst in seiner eigenen Weise erschließt, erkennt man sowohl Erhabenheit, als auch den rechten Pfad darin.

Das Göttliche wird nicht mittels Furcht erkannt, sondern mittels Erhabenheit. Und ist der Glaube recht angelegt, dann kann zwar immer noch etwas in einem sich vor etwas anderem fürchten, aber doch immer in der Gewissheit, dass es lediglich etwas ist, doch man selbst ist nicht dieses etwas, sondern man ist mehr noch das, was all dieses erkennt.

Selbstverweise - KdU

Devino M., Montag, 16. April 2018, 01:20 (vor 156 Tagen) @ Devino M.

Kritik der Urteilskraft - Immanuel Kant
§28. Von der Natur als einer Macht

Selbst die Demut, als unnachsichtliche Beurteilung seiner Mängel, die sonst, beim Bewusstsein guter Gesinnungen, leicht mit der Gebrechlichkeit der menschlichen Natur bemäntelt werden könnten, ist eine erhabene Gemütsstimmung, sich willkürlich dem Schmerze der Selbstverweise zu unterwerfen, um die Ursache dazu nach und nach zu vertilgen. Auf solche Weise allein unterscheidet sich innerlich Religion von Superstition; welche letztere nicht Ehrfurcht für das Erhabene, sondern Furcht und Angst vor dem übermächtigen Wesen, dessen Willen der erschreckte Mensch sich unterworfen sieht, ohne ihn doch hochzuschätzen, im Gemüte gründet: woraus denn freilich nichts als Gunstwerbung und Einschmeichelung, statt einer Religion des guten Lebenswandels entspringen kann.
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Zwar sollte man Abstand davon nehmen, zum Erleiden von irgendetwas einzuladen, doch kann man sich klar machen, dass alles was erleidet, unter göttlichem Peitschenschlag weidet. Etwas weniger drastisch ausgedrückt, dass was etwas Erfährt, erfährt es, weil etwas da ist, was in der Lage ist zu erfahren und eine Erfahrung daraus ziehen zu können. Was somit nicht außerhalb Gottes Gunst liegen mag, denn es heißt sinngemäß "Gott erzieht denjenigen, welchen er liebt".

Und oft ist es daher so, dass das, was sich im Rechte wähnt Härte an den Tag zu legen, im Gegenzug zu dem steht, was dieses oder ähnliches erfährt (erleidet). Auch möchte man nicht irgendwelchen Verblendungen Vorschub gewähren, sondern es lediglich einer allgemeinen Analyse unterziehen. Angenommen also, man kommt sich furchtbar dämlich vor, z.B. auch etwa angerichtet oder angestellt zu haben, und überzeugt sich vielleicht auch noch, man verdiene schlechte Behandlung oder eine Strafe daraufhin dafür, sofern man den Minderwertigkeitskomplex beiseite ließe, ist die Erfahrung die man dabei macht, diejenige, die mehr Seele beinhaltet, als z.B. die des Strafvollzugs, welche sich darin wähnt die Ordnung Gottes auszurichten.

Dies beinhaltet auch viele der allgemeinen Umgangsarten. Denn oft wird das, was sich für besser hält und etwas oder jemand anderen für schlechter der Art (nicht der Tat) nach, vielleicht auch äußerlichen Dingen nach, so hat doch das mehr Seele, was all dieses erfährt/erleidet, als dasjenige, was sich im Rechte wähnt. Denn ohnehin kann es schnell passieren, dass man irgend eine Rolle zugewiesen bekommt (dieses vielleicht sogar dem Willen und nicht dem Umgang nach), obwohl man es weder ist, noch sich in dieser Rolle sieht, noch wirkliche Ursache von sich aus dazu gelegt haben mag. Sondern sich dieses entweder aus Unverständnis des jeweiligen Soseins eines anderen, sich ergibt, weil man selbst anders ist, oder weil sich einer begünstigter sieht, ggf. dieses auch kollektiv bedingt oder nach sonstigen Kriterien so stehen oder lediglich sich so sehen mag.

Wobei geistig gesehen die Dinge dann aber meist anders liegen. Denn wenn man es vom Willen her nimmt, weiß der Betroffen oft gar nicht, dass all dieses er selbst nicht ist, wofür er sich dann diesem bezogen nach zu sehen vermag. Sprich daraus ergibt sich leicht ein Opfer oder Täter-Rolle, die eigentlich vertauscht sich im äußeren widerspiegeln mag. Oder, einer tut etwas, identifiziert sich sogar damit, aber es ist lediglich etwas kollektives und alle im Kollektiv werden es für solches halten und denjenigen in der Weise behandeln. Und doch alles was er erfährt und erleidet, wenn man die willensbedingten Fehlidentifikationen beiseite ließe, so hat derjenige vielleicht mehr Seelenerfahrung auf seiner Seite, als das gesamte Kollektiv auf der anderen, welches sich vielleicht im Rechte sähe, so und so zu verfahren.

Die Vielschichtigkeit des Themas ließe sich wohl noch sehr weit ausführen. Bis hin vielleicht zu dem hin, dass man ganze Gesetzestexte wohl auf den Willensgebrauch fertigen könnte. Wobei es anzunehmen ist, dass es derlei geben wird, sobald der Willensaspekt allgemeinhin mehr ausgearbeitet und ein Thema werden wird. Das wird aber wohl dann mehr sein, wenn man die häutigen Gesetze, die auf so viel Äußeres abzielen, nicht mehr brauchen wird und das Reich ätherischer Betätigung längst normaler Umgang sein wird. Das wird wohl eher noch das Feld sein, worauf Gesetze (nicht der Natur, sondern des Umgangs) ausgedehnt werden dürften.

Gültigkeit - KdU

Devino M., Donnerstag, 19. April 2018, 11:25 (vor 153 Tagen) @ Devino M.

Kritik der Urteilskraft §91 - Immanuel Kant

Gott, Freiheit und Seelenunsterblichkeit sind diejenigen Aufgaben, zu deren Auflösung alle Zurüstungen der Metaphysik, als ihrem letzten und alleinigen Zwecke, abzielen. Nun glaubte man, dass die Lehre von der Freiheit nur als negative Bedingung für die praktische Philosophie nötig sei, die Lehre von Gott und der Seelenbeschaffenheit hingegen, zur theoretischen gehörig, für sich und abgesondert dargetan werden müsse, um beide nachher mit dem, was das moralische Gesetz (das nur unter der Bedingung der Freiheit möglich ist) gebietet, zu verknüpfen und so eine Religion zustande zu bringen. Man kann aber bald einsehen, dass diese Versuche fehlschlagen mussten. Denn aus bloßen ontologischen Begriffen von Dingen überhaupt, oder der Existenz eines notwendigen Wesens lässt sich schlechterdings kein, durch Prädikate, die sich in der Erfahrung geben lassen und also zum Erkenntnisse dienen könnten, bestimmter, Begriff von einem Urwesen machen; der aber, welcher auf Erfahrung von der physischen Zweckmäßigkeit der Natur gegründet wurde, konnte wiederum keinen für die Moral, mithin zur Erkenntnis eines Gottes, hinreichenden Beweis abgeben. Ebensowenig konnte auch die Seelenerkenntnis durch Erfahrung (die wir nur in diesem Leben anstellen) einen Begriff von der geistigen, unsterblichen Natur derselben, mithin für die Moral zureichend, verschaffen.
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Vieles hat mit Gültigkeit (nicht zu verwechseln mit Anspruch auf Geltung) zu tuen. Denn es ist vergleichbar, mit dem, wenn man nur indirekt einen Bezug hat oder in einem direkten Verhältnis dazu steht. Man kann also viel Bezug auf Gott selbst nehmen, nur wird es wenig in einem direkten Verhältnis für gewöhnlich stehen. Also ist es gar nicht mehr entscheidend, was man dann dazu sagen würde. Stellt man sich als aus einer Religionsrichtung her, so hin, dass man aber dennoch Anspruch erhebt, ein besonderes Verhältnis irgendwohin zu haben, dann ist die Frage ob dem so ist durchaus real. Aber außer der Frage selbst, mehr zunächst nicht. Denn letztlich wollte man dieses ja nicht als lügnerisch hinstellen, also lässt man die Frage real zu, selbst wenn man sicher ist, dass der erhobene Anspruch in keiner Erfüllung mündet, oder aus begründeter Überlegung noch münden könnte.

Markant ist meist schon, dass das, was in einem Verhältnis irgendwohin steht, dieses auch in irgend einer Weise zu erschließen und zu eröffnen in der Lage ist. Ist es nicht der Fall, dann ist es ggf. zwar dies als Subsystem (z.B. theoretisch) etwas durchaus dran, wenn man die Natur der Dinge in Augenschein nimmt, kann man aber oft von dem her schon sagen, dass es gar nicht möglich ist. Man könnte einem Klumpen Erde so viel zureden wie man wollte, es wird sich nicht einfach in ein Edelmetall dadurch verwandeln. So kann man annehmen, dass ein Priestergewand noch keinen Unterschied in seiner rein materiellen Beschaffenheit ausmacht, im Gegensatz zu einem beliebigen Kleidungsstück, und so weiter fortlaufend die Betrachtung, und doch kann ein Priestergewand einen deutlichen Unterschied ausmachen, wenn man es energetisch oder aus geistigen Verhältnissen her betrachtet (sofern der rechte Geist und das Verhältnis gegeben sind).

Und es stimmt wohl sehr praktisch, dass eine Seele erst eine Inkarnationsübergreifende Erfahrung gemacht haben müsste, um wirklich in praktischer Weise sagen zu können, dass es eine Unsterblichkeit gibt. Andernfalls mag es eine begründete Annahme sein aus theoretischer Überlegung oder aus gewissen Schlussfolgerungen in Ansehung und Betrachtung gewisser Verhältnismäßigkeiten, aber dennoch keine begründete Tatsache, ohne die Einsicht und dahinterstehende Seelenerfahrung selbst.

Daraus lässt sich leicht ersehen, was den Unterschied zwischen Anspruch auf Geltung und einer gegebenen Erfahrung ausmacht, wovon die Letztere an sich eine Gültigkeit hätte. Dann wäre aber die Frage des Umgangs damit, denn ein Unterschied zu dem wäre, ob man dies vor anderen vertritt (und es nach außen brächte) oder für andere vertritt (und es in sich mit für andere bezeugt, pflegt u.dgl.m.). Denn gerade in religiös geprägten Umfeldern, scheint die Neigung eher ausgeprägt zu sein, mit erhobenem Zeigefinger herumzulaufen, doch selbst die eigenen Taten, die vielleicht durchaus im ernstlichem Bestreben fußen, gründen doch zumeist auf theoretischer Erkenntnis und somit auf theoretischem Beweggrund ohne wahre Gotteserkenntnis, welche man dann oft weit mehr noch in aufrechten Errungenschaften der Philosophie vorfindet. Was dann ja doch eine Gültigkeit hätte, und weniger bloßen Ansprüchen entstammt.

Das höchste Gut in der Welt - KdU

Devino M., Samstag, 21. April 2018, 13:05 (vor 150 Tagen) @ Devino M.

Kritik der Urteilskraft - I. Kant
§84. Von dem Endzwecke des Daseins einer Welt, d.i. der Schöpfung selbst

... Ich habe oben gesagt: dass der Endzweck kein Zweck sei, welchen zu bewirken und der Idee desselben gemäß hervorzubringen, die Natur hinreichend wäre, weil er unbedingt ist. Denn es ist nichts in der Natur (als einem Sinnenwesen), wozu der in ihr selbst befindliche Bestimmungsgrund nicht immer wiederum bedingt wäre; und dieses gilt nicht bloß von der Natur außer uns (der materiellen), sondern auch in uns (der denkenden): wohl zu verstehen, dass ich in mir nur das betrachte was Natur ist. Ein Ding aber, was notwendig, seiner objektiven Beschaffenheit wegen, als Endzweck einer verständigen Ursache existieren soll, muss von der Art sein, dass es in der Ordnung der Zwecke von keiner anderweitigen Bedingung, als bloß seiner Idee, abhängig ist.
Nun haben wir eine einzige Art Wesen in der Welt, deren Kausalität teleologisch, d.i. auf Zwecke gerichtet und doch zugleich so beschaffen ist, dass das Gesetz, nach welchem sie sich Zwecke zu bestimmen haben, von ihnen selbst als unbedingt und von Naturbedingungen unabhängig, an sich aber als notwendig, vorgestellt wird. Das Wesen dieser Art ist der Mensch, aber als Noumenon betrachtet; das einzige Naturwesen, an welchem wir doch ein übersinnliches Vermögen (die Freiheit) und sogar das Gesetz der Kausalität, samt dem Objekte derselben, welches es sich als höchsten Zweck vorsetzen kann (das höchste Gut in der Welt), von seiten seiner eigenen Beschaffenheit erkennen können.

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Bei manchem Entwicklungsstand (bei der zweiten Einweihung) werden Ideale nahezu angebetet, und doch immer wieder, wie die Natur es so mit sich bringt, ist ein Scheitern an diesen inbegriffen. Und doch in Ansehung des gewissen Göttlichen, kann Derjenige meist nicht anders, als immer wieder sich danach auszurichten. Im Grunde eine gesunde Ausrichtung, sofern nicht zu fanatisch betrieben, und in dem Wissen, dass ein Ideal von Naturwegen her nicht erreichbar bleibt.

An irgend etwas muss man sich ja ausrichten oder richtet sich so oder so ein jeder aus. Nur dass die Natur der Dinge ein vielseitige ist, und es nicht nur im und am Menschen liegt, sondern auch an der Seele die diesen Jenen als ihr mehr oder weniger taugliches Werkzeug und auch als Werk betreibt. Die Natur der Seele inbegriffen, ist ein Ideal auf seiner Ebene durchaus erreichbar, allerdings wiederum nicht vollends übersetzbar, ohne die Natur so zu verändern, dass sie in vollständigem Gebrauch der Seele steht. Denn alles was anderwärts hinzukommt, kann das Werk hierbei beeinflussen.

Die Natur der Seele ist allerdings nicht durch Eigensinn geprägt. Denn der Eigensinn (in seiner Weise durchaus nützlich) ist mehr das, was sich der Seelenkontrolle zu entziehen sucht. Auch dafür hat die Seele eine Lösung, denn sie kann daran gewisse Dinge abarbeiten, viel mehr jedoch meist auch nicht. Vom Stand her des Entziehens bedarf es bewusster Entscheidung, auf unbestimmte Zeit, allerlei Eigensinn und Eigeninteresse aufzuopfern. An der Stelle kann zwar das ein oder andere Ideal als Stütze dienen, jedenfalls so lange, bis gewisse Seelenkontrolle da ist. Letztere macht sich darin bemerkbar, dass gewisse Empfindung gegeben ist, die nicht mehr durch die Sinne zugesteuert wird, sondern als inneres Gewahrsein. Danach und soweit man sich mehr darauf ausrichtet, kann man auf Ideale verzichten, denn dann ist man (zumindest vom Stand der Mehrheit her) bei dem, was zum höchsten Gut in der Welt gehört - denn sehr viel mehr geht mehrheitlich gesehen derweil kaum.

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