Hummel Hummel (alle)

Felix, Donnerstag, 11. Juni 2020, 07:27 (vor 24 Tagen) @ Felix
bearbeitet von Felix, Sonntag, 28. Juni 2020, 18:30

abgetippt aus einem Bericht der Zeitschrift TV vom April 2020

Die Hummel ist ein wahres Flug-Genie, trotzt jeder Kälte und fliegt mehr Blüten an, als jedes andere Insekt der Erde. Die fleißige Pelzträgerin startet in einen weiteren Frühling der Weltrekorde. Vier Uhr früh, draußen ist es dunkel und mit sechs Grad so kalt, dass man keine Biene freiwillig aus dem Stock bekäme. Doch das kleine Volk der Hummeln startet in einen neuen 18 Stunden Tag. Sie sind nicht nur die robustesten unter den Wildbienen, sie sind auch die fleißigsten Bestäuber der Welt: Hummeln fliegen dreimal so viele Blüten an wie Bienen, im Durchschnitt mehr als 1000 pro Tag, neun Monate im Jahr. Diese enorme Zahl meistert die Hummel dank ihrer Schnelligkeit, sie rast mit 20 Kilometern pro Stunde über die Wiesen und vor allem dank ihrer einzigartigen Bildrezeptoren, mit denen sie Formen, Bewegungen und Farben besser als jedes andere Tier erkennen kann.

Kein Wunder also, dass immer mehr Imker auf die Zucht von Hummeln umsteigen. Obstbauern reißen sich um die Völker der "besseren Bienen" zum Preis von bis zu 250 Euro. Fleiß kostet. Verschickt werden 50 bis 60 Tiere im Pappkarton, ausgelegt mit kuschelweicher Wolle, inklusive "Trinkbar": Zuckerlösung satt als Reiseproviant. Frisch gestärkt bestäuben die Pelzträger dann in den Frühlingsmonaten Kirsch- und Apfelbäume, Erdbeer-, Paprika- und Tomatenpflanzen und sichern so selbst in Kaltwetterperioden die Ernte süßer Sommerfrüchte.

Weltweit gibt es etwa 250 Hummelarten, 36 davon in Deutschland. Wenn die Frühlingssonne in diesen Tagen die Natur so langsam zum Leben erweckt, ist die Hummelkönigin bereits unterwegs. Bedächtig sucht sie nach einem behaglichen Nest und hält Ausschau nach Erdhöhlen, verlassenen Mauselöchern oder zerfallenem Totholz. Ist das Zuhause gefunden, richtet sie es zur Eiablage mit Moos und Gras ein. Nun kann die Königin ihren Staat gründen, der später einmal bis zu 600 Tiere umfassen wird.

Hummeln sind außergewöhnliche Tiere. Eigentlich dürften sie gar nicht fliegen können, denn ihre Flügel sind mit einer Fläche von 0,7 cm² zu klein, um den 1,2 Gramm schweren Körper zu tragen. Tatsächlich schlagen beide Flügelpaare bis zu 200 mal in der Sekunde in sehr exakten, kreisförmigen Bewegungen und erzeugen so riesige Luftwirbel. Dadurch halten Hummeln sich nicht nur in der Luft, sondern sind die am höchsten fliegenden Insekten der Welt. Bergsteiger entdeckten Hummeln am Mount Everest, sechstausend Meter über dem Meeresspiegel. Warum Hummeln da oben nicht frieren?

Sie verfügen über eine Art Standheizung. Durch Muskelkraft versetzen sie ihren Körper samt Flügeln in Vibrationen und erzeugen so Wärme selbst bei Minusgraden. Tatsächlich macht Hummeln Kälte weniger als große Hitze zu schaffen. Forscher sehen eine Verbindung zwischen dem Rückgang der Hummelpopulation und der Klimaerwärmung und damit einhergehenden großen Hitzewellen. Ab 35 Grad Celsius Außentemperatur erreicht die hummeleigene Heizung eine kritische Temperatur von 44 Grad und das Insekt kann nicht mehr fliegen. Doch hier kann jeder ein bißchen mithelfen. Eine im Schatten aufgestellte Insektentränke, etwa ein flacher Teller, in dem das Wasser nicht zu tief stehen sollte, sorgt für Abkühlung. Und das übrigens auch für die Bestäuber Kolleginnen, die Bienen.

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das war ein TV Tipp auf 3 Sat am 30.4. um 20:15 Uhr
Wissen aktuell: Rettet die Insekten. Dramatischer Rückgang
von Bienen, Hummeln & Co.


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