Der Begriff der Menschheit selbst - Le Bon (alle)

Devino M., Donnerstag, 14. März 2019, 19:27 (vor 185 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
2.B.4.K.II. Die veränderlichen Meinungen (opinions mobiles) der Massen

Über den festen Glaubensanschauungen, deren Macht wir darlegten, liegt eine Schicht von Meinungen, Ideen, Gedanken, die fortwährend entstehen und vergehen. Manche sind sehr vergänglich und die bedeutendsten überdauern kaum das Leben einer Generation. Wir haben bereits festgestellt, dass die Veränderungen dieser Meinungen zuweilen mehr an ihrer Oberfläche als in ihrem Wesen vorgehen und immer den Stempel der Rasseneigenschaften tragen. Wenn wir beispielsweise die politischen Einrichtungen unseres Landes betrachten, sehen wir, dass die scheinbar entgegen gesetzten Parteien: Monarchisten, Radikal, Imperialisten, Sozialisten usw. völlig übereinstimmende Ideale haben, und dass diese Ideale sich einzig und allein auf die geistige Verfassung unserer Rasse beziehen, denn unter den gleichen Namen finden sich bei andren Rassen ganz entgegen gesetzte Ideale. Weder durch die Namen der Anschauungen noch durch ihre täuschenden Anpassungen wird der Kern der Dinge verändert. Die Bürger der Revolutionszeit, die, ganz erfüllt von der lateinischen Literatur, gebannt von der römischen Republik, ihre Gesetze, Liktorenbündel, Togen übernahmen, wurden dadurch noch keine Römer, weil sie unter der Herrschaft einer mächtigen historischen Täuschung standen.
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Es ist wohl nicht verkehrt, zu sagen, dass die Menschheit an sich [vor allem was ihre wahre Natur betrifft] einer großen Täuschung verfallen ist. Denn wie es beim einzelnen so ist, dass die Persönlichkeit in den meisten Fällen als Mensch angenommen wird, im anderen Falle vielleicht die physischen Körper oder Erscheinungen, so wird anstelle der Menschheit oft die Nationalitäten, die Rassen u.dgl. angenommen.

Der Begriff der Menschheit als solches wird zu oft nur noch symbolisch genommen. Dabei ist die Menschheit die wirkliche Massenseele die hinter allem als Kern steht. Doch ist der Kern so überhäuft mit allerlei Bekleidung [sei es eben die der Nationalität oder Rassen], dass alles andere nur gepflegt wurde und längst über den Menschen hinausgewachsen ist. Zwar wird das alles nicht überdauern und die Menschheit als solches ist ja der Kern, dennoch stellt sich die Frage ob das so sein muss?

Ja, es mag zuweilen uncool und unsexy sein, und sich so auch anfühlen, wirklich Mensch zu sein. Doch gibt es keinen Grund es zu verleugnen. Es wird Zeit, das die Menschheit und der Mensch in den Vordergrund mehr gestellt und auch als Ausgangspunkt genommen werden. Der Mensch ist auch nicht das, was äußerlich wie ein Mensch aussieht oder sich so gibt, sondern das zarte Licht, was hervorstrahlt, und welches erkannt und gepflegt werden möchte. Braucht es erst einer außerirdischen Zivilisation, damit die Menschheit sich als Menschheit anfängt zu sehen, und nicht bloß als irgend eine Nation? Vielleicht würde es helfen, vielleicht wäre es aber auch so, dass sobald sich die Menschheit als eine Zivilisation und Gesellschaft zusammentut, gleiches das Gleiche anziehen würde.


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