Sichere Regeln - Ethik (alle)

Devino M., Sonntag, 26. August 2018, 19:06 (vor 55 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes


Lehrsatz 10:
Solange wir nicht von Affekten bedrängt werden, die unserer Natur entgegengesetzt sind, steht es in unserer Gewalt, die Affektionen des Körpers gemäß einer Ordnung zu ordnen und zu verketten, die dem Verstand gemäß ist.

Beweis:
Affekte, die unserer Natur entgegengesetzt sind, d.h. die schlecht sind, sind insofern schlecht, als sie den Geist daran hindern, dass er einsieht.
...
Anmerkung:
... Das Beste also, was wir tun können, solange wir nicht eine vollkommene Erkenntnis unserer Affekte haben, ist ein richtiges Prinzip, d.h. sichere Regeln, für unsere Lebensführung zu konzipieren, diese unserem Gedächtnis einzuprägen und sie beständig auf die besonderen Fälle, die im Leben häufig vorkommen, anzuwenden, damit so unsere Vorstellungskraft weitgehend von ihnen affiziert wird und sie uns jederzeit zur Verfügung stehen.

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Ein jeder wird von diesem oder jenem affiziert, was durchaus natürlich ist, denn andernfalls wäre ein vollkommenes Bewusstsein in jeder Hinsicht erforderlich. Oft wird der Sachverhalt von einer nüchternen Distanziertheit zwar angemessen eingeschätzt, doch in der Situation der Erfahrung sieht es dann schon wieder ganz anders aus. So dass in vielen Fällen eine Selbstüberschätzung mit sogar die Ursache dafür ist, dass man in der Erfahrung von allerlei Affekten mal hierhin und mal dorthin gezerrt wird.

Es erfordert einige Ehrlichkeit mit sich, statt zu meinen, man würde ja so locker über allen Dingen stehen, dass manche Summe aus den Dingen, mehr ist, als die Summe auf der eigenen Seite einem möglich macht, damit souverän zu verfahren. Nicht zuletzt liegt es daran, dass ja auch auf der eigenen Seite eine gewisse Summe aus vielem da ist, die man nicht immer vorweg [außerhalb der Erfahrung] einsehen und einzuschätzen vermag, wie sich diese in der Erfahrung verhält.

Daher ist Rhythmus ein sehr hilfreiches Standbein, was man kaum zu viel pflegen kann. Nicht einmal nur der eigenen Psyche wegen, sondern eben wegen der Summe, die auf der eigenen Seite ist, dass diese bereits eine Ausrichtung hat und nicht blindlinks einem bei nächster Gelegenheit aus dem Ruder zu laufen droht.


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