Kreis und Linie - KdrV (alle)

Devino M., Mittwoch, 23. Mai 2018, 00:23 (vor 154 Tagen) @ Devino M.

Kritik der reinen Vernunft - I. Kant
Der Transzendentalen Doktrin der Urteilskraft (Analytik der Grundsätze)
- Drittes Hauptstück
- Von dem Grunde der Unterscheidung aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena und Noumena

Der vermeinte Grundsatz: alles Zufällige hat eine Ursache, tritt zwar ziemlich gravitätisch auf, als habe er seine eigene Würde in sich selbst. Allein, frage ich: was versteht ihr unter Zufällig? und ihr antwortet, dessen Nichtsein möglich ist, so möchte ich gern wissen, woran ihr diese Möglichkeit des Nichtseins erkennen wollt, wenn ihr euch nicht in der Reihe der Erscheinungen eine Sukzession und in dieser ein Dasein, welches auf das Nichtsein folgt, (oder umgekehrt,) mithin ein Wechsel vorstellt; denn, dass das Nichtsein eines Dinges sich selbst nicht wider/spreche, ist eine lahme Berufung auf eine logische Bedingung, die zwar zum Begriffe notwendig, aber zur realen Möglichkeit bei weitem nicht hinreichend ist; wie ich denn eine jede existierende Substanz in Gedanken aufheben kann, ohne mir selbst zu widersprechen, daraus aber auf die objektive Zufälligkeit derselben in ihrem Dasein, d.i. die Möglichkeit seines Nichtseins an sich selbst, gar nicht schließen kann.
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Alle Abfolge führt gewöhnlich zur Annahme, dass alles, oder etwas bestimmtes, einen Kreislauf bildet. Denn führte es nur in einer Reihe oder Linie fort, auch wenn es somit auch eine Abfolge bildete, so wäre man doch einmal nur an einer Stelle davon, es wäre aber nicht möglich Rückschlüsse zu ziehen, denn selbst dieses bedingt einen Kreislauf. D.h. einen Kreislauf von dem ein Ausgang erfolgte und wohin zu diesem wieder ein Aufschluss erfolgt, mit dem Ergebnis einer Deduktion von jenem zu diesem.

Damit hätte man aber eine Anschauung auch auf das, was eine Ursache bildet, und was keine bildet, allerdings nur deswegen nicht, weil man der Kreislauf nicht geschlossen bekommen. Was nicht bedeutet, dass der Kreislauf nicht an sich geschlossen werden könnte. Und letztlich führt es zur Frage, ob eine grade und endlose Linie überhaupt möglich sei, außerhalb der Vorstellung, oder letztlich diese doch wieder eine Kreis bildet, genauer gesagt, der Ausgang ein Kreislauf ist. Und ansonsten wäre auch kein Rückschluss möglich, wenn man anders als bloß in der Vorstellung, einer endlosen geraden Linie also folgen wollte.

Somit lässt sich nicht nur die Kausalität nach Ursache und Wirkung zu etwas gravitätischem machen, sondern bereits ein Kreis und eine Linie. Denn viele Elemente an ihrer Basis, sind bis zu einem Grade auf lediglich geometrische Figuren zurückführen, die allerdings in Schwingung versetzt oder mit Kraft vermengt, im Auswuchs ihrer Qualität und durch Äonen gereift, phänomenologisch besehen und in ihrem flüchtigen Anblick, plötzlich sehr majestätisch anmuten.


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