Vernunftkausalität - KdU (alle)

Devino M., Dienstag, 24. April 2018, 14:42 (vor 148 Tagen) @ Devino M.

Kritik der Urteilskraft - I. Kant - §76. Anmerkung

So wie die Vernunft, in theoretischer Betrachtung der Natur, die Idee einer unbedingten Notwendigkeit ihres Urgrundes annehmen muss; so setzt sie auch, in praktischer, ihre eigene (in Ansehung der Natur) unbedingte Kausalität, d.i. Freiheit, voraus, indem sie sich ihres moralischen Gebots bewusst ist. Weil nun aber hier die objektive Notwendigkeit der Handlung, als Pflicht, derjenigen, die sie, als Begebenheit, haben würde, wenn ihr Grund in der Natur und nicht in der Freiheit (d.i. der Vernunftkausalität) läge, entgegengesetzt, und die moralisch-schlechthin-notwendige Handlung physisch als ganz zufällig angesehen wird (d.i. dass das, was notwendig geschehen sollte, doch öfter nicht geschieht); so ist klar, dass es nur von der subjektiven Beschaffenheit unsers praktischen Vermögens herrührt, dass die moralischen Gesetze als Gebote (und die ihnen gemäße Handlungen als Pflichten) vorgestellt werden müssen, und die Vernunft diese Notwendigkeit nicht durch ein Sein (Geschehen), sondern Sein-Sollen ausdrückt: welches nicht stattfinden würde, wenn die Vernunft ohne Sinnlichkeit (als subjektive Bedingung ihrer Anwendung auf Gegenstände der Natur), ihrer Kausalität nach, mithin als Ursache in einer intelligibelen, mit dem moralischen Gesetze durchgängig übereinstimmenden, Welt betrachtet würde, wo zwischen Sollen und Tun, zwischen einem praktischen Gesetze von dem was durch uns möglich ist, und dem theoretischen von dem was durch uns wirklich ist, kein Unterschied sein würde.
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Es wäre doch belustigend, wenn jeder nur noch das tun könnte, was die reine Vernunft ihm vorschriebe. Die Welt wäre dann vielleicht sogar ein perfekter Ort. Doch es wäre keine Eigentümlichkeit gegeben, und auch der freie Wille (selbst wenn vorhanden) wäre ohne jeglichen Gebrauch.

Nicht dass man sich umfassender damit befasst hätte, jedoch anzunehmen ist, dass genau das bei vielen Engel- und Deva-Gruppen der Fall ist. Sie tun, was zu tun ist, ohne dass wirklich etwas von ihnen hinzukommt, wovon sie nicht angehalten wären dieses zu tun.

Die Vernunft braucht nur sich selbst zu folgen, die Naturbegebenheiten sind für diese unerheblich. Es ist recht und richtig, der Vernunft, sowie als auch vielem anderen zu folgen. Und doch gerade darum, dass man es aus sich, für sich, und durch sich vollzieht. Vor allem dann, wenn man die Möglichkeit hätte, auch anders zu können. Damit setzt man das tatsächlich um, wozu auch überhaupt alle Vernunft auch nur gut sein kann, und sonst keine Bewandtnis hätte.


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