Glaubensstand - Seneca (alle)

Devino M., Montag, 27. Mai 2019, 18:17 (vor 199 Tagen)

Seneca: Briefe an Lucius [Epistulae ad Lucilium] 116

An dieser Stelle wirst du mir die Vorwürfe entgegenhalten, die man allgemein gegen die Stoiker vorbringt: "Ihr macht zu große Versprechungen, ihr stellt zu harte Forderungen. Wir sind doch nur schwache Menschen; wir können uns nicht alles versagen. Wir wollen trauern, wenn auch nicht lange. Wir wollen begehrlich sein, wenn auch in Maßen. Wir wollen Zorn empfinden, wenn auch nicht lange. Wir wollen begehrlich sein, wenn auch in Maßen. Wir wollen Zorn empfinden, doch uns auch wieder versöhnen lassen."

Weißt du, warum wir das alles nicht können? Weil wir nicht daran glauben, dass wir es können. Es geht nämlich, beim Hercules, in Wirklichkeit um etwas ganz anderes: Wir verteidigen unsere Fehler, weil wir sie lieben, und entschuldigen sie lieber, als dass wir sie abstellen. Die Natur hat dem Menschen genügend Stärke gegeben, wir müssen sie nur einsetzen, unsere Kräfte bündeln und sie alle für uns, keinesfalls gegen uns verwenden. Wir wollen nicht, das ist der Grund, dass wir nicht können, ist bloß ein Vorwand.
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Wir könnten, wenn wir nur wollten. Das ist meistens ja so. Hat man erstmal angefangen, in irgend einer Richtung, dann stellt sich vieles passend dazu ein. Dazu bedarf es nicht einmal des Glaubens.

Allerdings lohnt es sich, den Glaubensstand regelmäßig zu überprüfen. Und allem, was uns als Ausrede dient, den Glauben entziehen. Diesen lieber auf leicht überzogenen Grundsätze richten, als erst gar nicht aufzustehen [sinngemäß].

Hat man im 4.ten Naturreich alles geordnet, dann kann man sich auch besser dem 5.ten Naturreich zuwenden.

Gangart - Seneca

Devino M., Mittwoch, 29. Mai 2019, 12:31 (vor 197 Tagen) @ Devino M.

Seneca: Von der Unerschütterlichkeit des Weisen [De Constantia Sapientis] 5

Der Weise wird nichts verlieren, dessen Verlust er empfinden könnte. Sein einziger Besitz ist nämlich die sittliche Vollkommenheit, die ihm niemals entrissen werden kann. Alles andere betrachtet er als geliehen: Wer aber leidet unter dem Verlust von Dingen, die ihm nicht gehören?
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Wie wenig es doch ist [im Äußeren] was uns wirklich gehört. Nämlich nur immer so viel, wie wir mit uns nehmen und tragen können.

Wie viel es doch ist (nämlich grenzenlos), was wir in uns entwickeln können. Es hat zwar den Stoff der Beschaffenheit entsprechender Ebene nach, und daher ist nicht alles ewiger Natur - und mit manchem ist es auch gut so. Dennoch hat es seine Aufhängung [Erzeugung] der Art nach, und diese kann auch bis zur gewissen Ewigkeit hinlangen.

Die Sache ist bloß die, wenn man soweit ist, dass man sich um irgend einen Verlust der einen umgebenden Dinge nicht mehr weiter sorgt, sollte man diesen gegenüber zu keiner Gleichgültigkeit übergehen. Denn nur weil einem selber die Dinge nicht mehr viel bedeuten, bedeutet es nicht, dass wir selber für die Dinge bedeutungslos werden. Es bleibt dann dabei, was wir für einen energetischen Abdruck hinterlassen, im Umgang mit allem.

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