Lebensauffassungen - BG 15:8,9 (alle)

Devino M., Sonntag, 07. April 2019, 10:53 (vor 16 Tagen)

Bhagavad Gita 15:8,9

Das Lebewesen in der materiellen Welt trägt seine verschiedenen Lebensauffassungen von einem Körper zum anderen, so wie die Luft Düfte mit sich trägt. So nimmt es eine Art von Körper an und gibt ihn wieder auf, um einen anderen anzunehmen.

Das Lebewesen, das auf diese Weise einen weiteren materiellen Körper annimmt, erhält eine bestimmte Art von Ohren, Augen, Zunge, Nase und Tastsinn, die um den Geist gruppiert sind. So genießt es eine bestimmte Auswahl von Sinnesobjekten.
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Vom menschlichen Stand aus, hat man nunmal nur eine bestimmte Auswahl an Möglichkeiten. Von der Seele ausgehend, hat jeder Mensch eben auch andere Möglichkeiten und ein anderes Spektrum. Eines von beiden ist also für die jeweils eigene Auswahl an Möglichkeiten verantwortlich.

Geht man in der Masse unter, dann liegt dies auch an der Wahl und Nutzung seiner Möglichkeiten. Der Massenglaube als Beispiel, und wie weit man sich davon mehr oder weniger lösen kann, sind Anzeichen dafür, worin man ist. Und ist man ehrlich genug, wird man wohl leicht einräumen können, dass zu diesen oder jenen Dingen, es Millionen andere gibt, die exakt die gleichen Ansichten dazu teilen. So besonders ist das Meiste davon also nicht, wie man vielleicht vor sich selbst zu meinen glaubt.

Hat man sich also genug diverser Sinnlosigkeit einverleibt, dann geht es schnell dahin über, dass man auch den Sinn nicht mehr erkennt und alles irgendwo einer Beliebigkeit zu unterliegen scheint. So dass es am Ende fast keine Rolle mehr spielt, ob man nun dieses oder jenes macht, oder wofür man sich so im Leben entscheidet. Alles scheint eher nur noch zufallsbedingt von statten zu gehen.

Allerdings hat man dann bereits gewählt, und erfährt lediglich die Entscheidung der inneren Wahl, in und an den entsprechenden Dingen, welche einen umgeben. Und welche eben genau so und nicht anders zu sein scheinen.

Lebensgewohnheiten - Seneca

Devino M., Sonntag, 07. April 2019, 11:27 (vor 16 Tagen) @ Devino M.

Seneca: Briefe an Lucius [Epistulae ad Lucilium] 108

Sotion pflegte darzulegen, warum Pythagoras kein Fleisch gegessen hatte und warum Sextius später dasselbe tat. Beide hatten einen unterschiedlichen Grund, aber beide einen ehrenwerten. Sextius glaubte, es gebe für den Menschen genügend unblutige Nahrung und man gewöhne sich an die Grausamkeit, wenn man Tiere bloß zum Genuss auseinaderreiße.
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Phytagors dagegen betonte, alles sei mit allem verwandt und es gebe einen Austausch unter den Seelen, die in immer wieder andere Formen übergingen. Keine Seele, schenkt man ihm Glauben, geht zugrunde oder macht auch nur eine Pause, es sei den für ganz kurze Zeit, bevor sie eine neue Gestalt annimmt.
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Unter ihrem Einfluss fing ich an, kein Fleisch mehr zu essen, und nach Ablauf eines Jahres fiel mir dies nicht bloß leicht, sondern wurde zu einer angenehmen Gewohnheit. Ich hatte den Eindruck, mein Geist sei lebendiger, und ich könnte dir noch heute nicht sagen, ob es wirklich so war. Du fragst, wieso ich das wieder aufgab?

Meine Jungend viel in die Anfangszeit des Kaisers Tiberius. Damals wurden fremdländische Gottesdienste verboten, und der Verzicht auf bestimmte Fleischsorten galt als Beweis des Aberglaubens. Daher nahm ich auf Bitten meines Vaters, der zwar keine verleumderische Anklage fürchtete, aber die Philosophie hasste, meine alte Gewohnheit wieder an. Und es fiel ihm nicht schwer, mich zu besserem Essen zu überreden.
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All das habe ich erzählt, um dir zu zeigen, mit welcher Energie sich junge Menschen zu Beginn ihrer Ausbildung auf alles Gute stürzen, wenn sie nur jemand ermuntert und anspornt.

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Ja, manche Lebensauffassung und Lebensgewohnheit ist definitiv besser als eine andere. Allerdings ist es auch wesentlich darauf zu achten, in welchem Lebensumfeld man sich bewegt. Und auch was es allgemein für Auswirkungen auf das Umfeld nach sich zieht, und dann abwägen, in welchem Zusammenhang man sich befindet. Denn vieles bedeutet in einem Zusammenhang das eine und in einem anderen Zusammenhang etwas anderes.

Es zählt der umfassendere Zusammenhang mehr. Dies geht daraus hervor, wenn man sich fragt, was länger überdauert, und was mehr Menschen als nur einen Einzelnen anbetrifft. Sterben tut ein jeder Mensch auf die eine oder andere Weise ohnehin. Die Trends der Massen ändern sich allerdings noch schneller, nicht jedoch die Kultur, die überdauert einiges mehr. Die Rasse als solches überdauert noch wesentlich länger. Und es betrifft auch ein anderes Spektrum sodann.

Die Entwicklung muss zwangsläufig in die Richtung gehen, dass alles leichter wird, was die Grobstofflichkeit anbetrifft. Und ohne Fleisch zu sich zu nehmen, wird es dass in dem Sinne auch und man mag so auch empfindsamer sein. Andererseits, ist es eine Frage dessen, in welchem gesellschaftlichen Verhältnis man sich befindet und was es dann für eine Bedeutung einnimmt, und dies nicht nur vom rein individuellen Standpunkt. Denn davon sich abzusondern, nimmt lediglich einem die Möglichkeiten, dies nach und nach positiv zu beeinflussen, und macht ansonsten noch gar nichts besser.

Denn man könnte ja auch ebenso sagen, dass der größere Nutzen darin bestünde, nichts mehr von der Welt zu sich aufzunehmen, und gar aus der Welt der verkörperten Lebenden zu scheiden. Nur warum ist man dann überhaupt erst hergekommen und überhaupt hier?

Erziehung der Massen - Le Bon

Devino M., Sonntag, 07. April 2019, 12:53 (vor 16 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
3.B.5.K. Die Parlamentsversammlungen

Kein Sinn für Gesetzlichkeit, kein Geist der Ordnung, nur Furcht und Illusionen ohne Maß: Bauer und Kind sind darin gleich. Ihre Ruhe wetteifert mit ihrer Ungeduld. Ihre Wildheit ist ebenso groß wie ihre Folgsamkeit. Das ist die Eigentümlichkeit eines unreifen Temperaments und des Mangels an Erziehung. Nichts setzt sie in Erstaunen, alles verwirrt sie. Zitternd, feige, und zugleich unverzagt und heldenhaft werden sie sich in die Fallen werfen und doch vor einem Schatten zurückweichen.

Wirkungen und Beziehungen der Dinge sind ihnen unbekannt. Ebenso schnell entmutigt wie erregt, sind sie allen Schrecken ausgesetzt, entweder himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, und haben nie den nötigen Grad und das passende Maß. Beweglicher als das Wasser, spiegeln sie alle Farben wider und nehmen alle Formen an.
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Nimmt man Vegetarismus als Beispiel, nutzt es da etwas der Masse, wenn ein Europäer sich zum Vegetarismus bekennt, ohne tiefere Einsicht? Wenn er nur aufgrund eines Trends z.B. zum Vegetarier wird? Denn es ist durchaus ein Unterschied, ob es bis zu einem gewissen Grad in Kultur bereits verankert ist, oder wenn jemand außerhalb der einen umgebenden Kultur auf etwas anderes setzt.

Es ist nämlich etwas anderes, wenn sich einer hinsetzt, auf Fleisch verzichtet, und sich zugleich einredet, er wäre dadurch heiliger, oder er wäre dadurch besser als die Menschen um ihn es sind; und wenn sich einer so in der Weise absondert. Etwas anderes ist es, wenn es in einer Tradition steht und man aus der Überzeugung der Tradition heraus auf Fleisch zur eigenen Ernährung verzichtet, ohne das in ein Verhältnis zu anderen Menschen zu stellen, welche sich von Fleisch ernähren.

In Europa könnte man das von einem Tag auf den anderen gar nicht umsetzen, dass alle plötzlich auf Fleisch verzichten (selbst wenn sie es wollten). Das würde von der Infrastruktur bereits problematisch. Wenn sich einer also in Europa nicht abzusondern oder abgehoben sehen möchte, oder auch nicht bloß eines Trends wegen auf Vegetarismus setzen, dann könnte der größte Nutzen womöglich sein, während man Fleisch isst, sich zu vergegenwärtigen und an der Einsicht zu arbeiten, dass es besser wäre kein Fleisch zu essen. Bis einen die Einsicht davon überzeugt und tatsächlich abhält.

Jedenfalls könnte man damit tatsächlich die erforderliche Einsicht, welche der Masse abgeht, dieser zuführen. Statt sich seines Egos zu erfreuen, wenn man sich anders gibt, als andere um sich. Denn manche denken schnell, oh wunder, was sie da tun, und welch weltbewegendes Ereignis es sei, während sie tatsächlich nur mit sich selber befasst sind. Andererseits, gerade wenn man nicht so denkt, sondern sich einer Sache vollständig hingibt, können weltbewegende Ereignisse daraus entstehen, meist ohne dass man es ahnt oder mitbekommt. Da es oft eine Frage dessen ist, wie weit man sich nur selber beeindrucken möchte und etwas bereits für sich gebraucht, oder wie weit man es für die Allgemeinheit macht, ohne selber nur Nutznießer davon zu sein.

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