Der Betrachter der Welt - Seneca (alle)

Devino M., Samstag, 30. März 2019, 11:04 (vor 24 Tagen)

Seneca: Trostschrift an die Mutter Helvia [Consolatio ad Helviam matrem]

Wie wenig freilich haben wir verloren! Die zwei schönsten Dinge folgen uns, egal, wohin wir uns begeben: die allen gemeinsame Natur und die eigene Tüchtigkeit.
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Das Beste, was der Mensch besitzt, liegt außerhalb menschlicher Willkür und kann weder gegeben noch genommen werden. Diese unsere Welt, die größte und schönste Schöpfung der Natur, und der Geist, der Betrachter und Bewunderer der Welt, ihr herrlichster Teil, beide gehören uns, überdauern und werden so lange bei uns sein, wie wir selbst am Leben bleiben. Daher wollen wir freudig, erhobenen Hauptes und mit furchtlosem Schritt eilen, wohin auch immer das Schicksal uns führt, und Land für Land durchmessen. Innerhalb dieser Welt kann es keine Verbannung geben; gibt es doch nichts auf dieser Welt, was dem Menschen fremd wäre.

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Man ist in der Welt um Erfahrungen zu machen. Die Welt selbst lehrt uns ansonsten nur, dass sie uns nichts lehrt. Wir selber sind diejenigen die durch uns selbst etwas lernen können. Der Welt kann man ansonsten nichts beibringen.

Schließlich geht man durch die Welt und nicht die Welt durch einen. Geht der Einzelne intelligenter mit der Welt um, dann ist die Welt auch intelligenter. Das kann auf einen Schlag gehen, wenn ein gewisses Erwachen einsetzt.

In der Welt kann es nichts Fremdes für den Menschen geben, denn es gibt außer dem Menschen keine Welt in dem Sinne.

Liebreizungen - Seneca

Devino M., Samstag, 30. März 2019, 11:17 (vor 24 Tagen) @ Devino M.

Seneca: Trostschrift an die Mutter Helvia [Consolatio ad Helviam matrem]

Gleichgültig, von welchen Erdenfleck aus sich der Blick zum Himmel erhebt, der Abstand zwischen der göttlichen und der menschlichen Welt ist überall gleich. Solange sich daher meine Augen von diesem Schauspiel, an dem sie sich nicht satt sehen können, abwenden müssen, solange es mir vergönnt ist, Sonne und Mond zu betrachten, solange ich mich in die übrigen Gestirne versenken, ihre gegenseitigen Entfernungen und Gründe ihres mal rascheren, mal langsameren Dahingleitens erforschen, solange ich das Meer der durch die Nacht funkelnden Sterne schauen kann..., solange ich meinen Geist, der sich danach sehnt, Verwandtes zu schauen, immer nach oben richte: was kümmert es mich wo ich hintrete?
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Das Maß und die Entfernung der äußeren Dinge ist eine Sache, und das Maß und die Entfernung des Inneren ist eine andere. Und eine dritte Sache ist das Verhältnis zu allem.

Denn es können mehrere das selbe Schauen und doch etwas ganz anderes sehen und erkennen. Und wer will sagen, er möchte lieber das Unschöne als das Schöne in allen Dingen sehen? Ist man nicht weit glücklicher also damit, was man worin an guten Dingen zu erkennen vermag?

Natürlich mögen einem irgendwelche Liebreizungen zufunkeln, darum geht es nicht. Es geht nicht um Begehrlichkeit, es geht um den Abstand zwischen dem Göttlichen an sich und der einem naturgegebenen Erfahrungswelt. Das Verhältnis dazu bildet ein jeder selbst.

Gesellschaftswissenschaften - Seneca

Devino M., Sonntag, 31. März 2019, 00:35 (vor 24 Tagen) @ Devino M.

Seneca: De ira [Über den Zorn/Wut]

Die Erziehung fordert die größte und für die Zukunft fruchtbarste Sorgfalt. Denn es ist leicht, die noch zarten Gemüter zu bilden, wogegen sich Fehler, die mit uns herangewachsen sind, nur schwer ausrotten lassen.
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Glücklicherweise ist vieles von den Überzeugungen die einer mit sich rumträgt kaum von entscheidender Bedeutung um den naheliegenden Alltag zu bestreiten. Ein Beispiel wäre da die sehr formellen Auslegungen diverser Heiliger Schriften. Sei es die wörtliche Annahme, dass Gott die Welt in 6 Tagen erschaffen hat. Vielleicht mag das aus Gottes Blickwinkel stimmen, aber sicherlich nicht aus dem Blickwinkel der Schöpfung, d.h. auf die Mineralien, Pflanzen, Tiere und Menschen bezogen. Mit nur ein wenig reiner Vernunft erklären sich diese Dinge und ihre Entwicklung fast von selbst. Und dennoch wenn man manch sture Überzeugung sieht, allerdings auch auf diverse andere Dinge bezogen, wird klar, dass einfache Bildungsversuche da keine Abhilfe mehr hinbekommen werden.

So ist auch die Annahme über das Leben und die einen umgebenden Dinge weitestgehend zwar mehr als bescheiden, wenn man die Mittelmäßigkeit der Masse heranzieht, doch reicht es häufig genug aus, eine gewisse Weile damit überleben zu können, wie man überwiegend sehen kann. Im Grunde genommen kann man fast jedem Kind alles mögliche beibringen, und es wird es glauben und zunächst an diesen Dingen festhalten. Daran sieht man ja durchaus, dass alles anders sein könnte. Nur wie bekommt man den Durchbruch und Ausbruch hin, aus all dem Blödsinn, der gängigerweise den Großteil diverser Überzeugungen der breiten Masse heute entspricht?

Man kann die dollsten geistigen Dinge jemandem erklären, doch wird derjenige das Meiste davon einfach nicht glauben. Denn jeder hat ein Recht auf eigene Meinung. Und immerhin wird heutzutage selten jemand der krass anderer Ansicht ist, dafür verfolgt oder umgebracht. Denn der Hebel der allseits eigenen Meinung, relativiert ja alles irgendwo. Allerdings wird damit auch die Wirksamkeit relativiert, um geistige Fortschritte machen zu können. Indem der Glaube letztlich überwiegend nur noch zu einer Meinung und Überzeugung wird, die nichts weiter vermag.

Was vermag man den heutigen Kindern zu vermitteln? Was ist die Bildung heutzutage wert, wenn man die Irrtümer damit gleich mit lehrt und vermittelt?! Vielleicht kann man mit einigem aus der Naturwissenschaft noch etwas anfangen, doch die Geisteswissenschaft liegt brach, von Einzelnen die sich darin betätigen mal abgesehen. Gut, wäre vielleicht auch nicht für jedermann etwas [von dem ausgehend, was heute dazu zählt], außer man würde es durch vieles erweitern, was dem allgemeinen Durchschnitt als Hilfsmittel dient. Ebenso sollte neben diesen zwei Säulen auch eine Gesellschaftswissenschaft her. Bisher gibt es nur lose Ansätze dazu, auch Psychologie steckt da noch in den Kinderschuhen. Damit erst einmal ein Verständnis entsteht, über die Natur der eigenen Spezies, und wie und wo es in der Entwicklung sinnvoll weitergehen kann.

Entwicklung von Wissenschaften - Seneca

Devino M., Sonntag, 31. März 2019, 11:12 (vor 23 Tagen) @ Devino M.

Seneca - Briefe an Lucius [Epistulae ad Lucilium] 6

Lang ist der Weg über Belehrungen, kurz und wirkungsvoll durch Vorbild und Beispiel.
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Die Aufhängung und der Kreis den das Bewusstsein zieht und beinhaltet, lehrt sehr viel mehr, als das was Worte vermögen. Denn selbst wenn man die Worte auf ein Thema lenkt, das Bewusstsein aber etwas anderes umschließt und ausstrahlt, und sofern es im Widerspruch steht, dann lehrt man den Widerspruch zusätzlich mit. Ansonsten zählt die Ausstrahlung, die vermittelte Bedeutung [was ja die Beziehung/das Verhältnis zum jeweiligen darstellt] u.dgl.v.m. noch eine größere Rolle.

Im Grunde wird immer der eigene Standpunkt in allererster Linie gelehrt [das heißt ein Lehrer vermittelt sich zunächst selbst]. Alles andere ist oft mehr Ablenkung als Lehre. Auch wird in selektiver Summe auch alles an Irrtümern und Verblendungen mit vermittelt. Zwar nimmt der Belehrte ja nur selektiv das auf, was er seinem eigenen Bewusstseinskreis einverleibt, zusätzlich jedoch auch noch das Instinktive und Unterbewusste. Hinzukommt einmal die Ebene dessen was das 5.te Naturreich (dass der Seele) bildet, zu all dem was sich über das 4.te Naturreich (das Menschenreich / allgemeinhin das Reich der individualisierten verkörperten Lebewesen) vermittelt. Als das Unterbewusste kann das gezählt werden, was das 1. (Mineralreich) auf zellularer Ebene, das 2. (Pflanzenreich) als empfinden äußerer Umweltbedingungen, und das 3.te Naturreich (das der Tierwelt) als Überlebensinstinkt und niederer Naturtrieb. Und dies ist ja nur ein Teil dessen, was jeder jederzeit mit zum Ausdruck und zur Ausstrahlung bringt (von den Strahlentypen und diversen anderen Dingen mal abgesehen).

Es wäre womöglich einen Versuch wert, alles nach "Naturwissenschaften", "Geisteswissenschaften" und "Gesellschaftswissenschaften" neu zu ordnen. Wobei zu vielem erst noch neue Wissenschaften entwickelt werden müssten, weil es kaum etwas gibt, und doch es mehr geben sollte an der Stelle. Vielleicht hat man es dann 100 Jahren soweit, dass man damit etwas anfangen kann. Zumal vieles dann übergreifend zu dem einen wie einem anderen Kreis gehören kann.

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