Philosophische Erkenntnisarbeit (alle)

Devino M., Mittwoch, 20. März 2019, 00:49 (vor 119 Tagen)

Seneca - Epistulae ad Lcilium [Briefe an Lucius] 108

Meines Erachtens vergeht sich keiner mehr an der ganzen Menschheit als die Leute, welche die Philosophie wie ein käufliches Handwerk erlernt haben und anders leben, als man nach ihrer Lehre leben muss. Sie demonstrieren nämlich höchstpersönlich die Nutzlosigkeit ihres Faches, da sie jedem Laster, das sie aufs Korn nehmen, selbst verfallen sind. Als Lehrer kann mir so jemand genausowenig nützen wie ein Steuermann, der bei einem Sturm seekrank wird.
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Der vermeintliche Glaube als Überzeugung kann oft größer sein, als der Nutzen, der bedingt daraus entsteht. Denn viele sind derer, die zwar überzeugt von dem sind was sie tun, doch ist die Masse durch die jeweiligen noch überzeugter, von dem, was sie durch diejenigen verrichtet.

Die Einzelnen wissen oft nicht, dass sie von der Masse in sich bestimmt werden. Scheinbar liegt alle Entscheidung in ihrer eigenen Hand, doch was macht die scheinbare Handhabe, wenn sie in allem dem entspricht, was die Masse einfordert?

Das ist in dem Falle käufliche Philosophie, nicht unbedingt weil sie endgeldlich erworben wurde, sondern weil sie nur der Masse zu gefallen und zu entsprechen weiß. Ohne dass die Mühe eigener Erkenntnisarbeit sich von der Masse hervorzuheben versteht, ist es keine Philosophie, selbst wenn das Etikett und der passende Deckmantel vorhanden sind.

Die Wählermasse - Le Bon

Devino M., Freitag, 22. März 2019, 00:23 (vor 117 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
3.B.4.K. Die Wählermassen

Darf man nun annehmen, die Abstimmungen der Massen würden durch die Beschränkung des Stimmrechts auf die Fähigen - wenn man will - eine Besserung erfahren? Ich kann es keinen Augenblick annehmen, und zwar aus Gründen, die ich oben bereits angeführt habe und die in der geistigen Bedeutungslosigkeit aller Gesamtheiten liegen, wie sie auch immer zusammengesetzt sein mögen. Ich wiederhole: in der Masse gleichen sich die Menschen stets einander an, und die Abstimmung von vierzig Akademikern über allgemeine Fragen gilt nicht mehr als die von vierzig Wasserträgern.
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Alle zu einer Masse vereinten können nur die Eigentümlichkeiten der Masse zum Ausdruck bringen. Denn alles andere befindet sich außerhalb der Wahlmöglichkeiten und bilden keinen Teil der Massenbewegung. Die Intelligenz des Einzelnen fällt also lose aus der Masse heraus.

Derjenige welcher von einer Ausrichtung der Masse eingenommen ist, wird stets auch annehmen die Art der Kraft zu beherrschen. Würde er erkennen, dass es andersherum ist, würde er wohl von sich aus lose aus der Masse schlüpfen. Zur Masse irgendeiner Art vereint sucht also nicht der Einzelne sich die Art von Kraft aus der er gehorcht, sondern die bestimmte Kraft sucht sich den Nächstempfänglichsten aus, durch welchen sie sich ausdrückt.

Die Wählermasse ist lediglich einmal die Summe des gleichartigen Kraftstroms. Die Gegensätzlichkeit ist in irgendeiner Weise eine ungleichmäßige Verteilung des Kraftstroms. Die Wählermasse ist daher die Abgabe des Stimmrechts. Nicht weil sie eine Stimme verleiht, sondern weil sie ihre eigene Stimme der Masse opfert, um dann ohne eigene Stimme dazustehen.

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