König Mensch - de clementia (alle)

Devino M., Sonntag, 10. März 2019, 15:44 (vor 16 Tagen)

Über die Güte [de clementia] - Seneca

Was ist denn der Grund dafür, dass Könige ein hohes Alter erreichten und ihre Herrschaft an ihre Kinder und Enkel weitergeben konnten, die Macht der Tyrannen aber verhasst und kurz ist? Welcher Unterschied besteht denn zwischen einem König und einem Tyrannen? Von außen betrachtet, sind ihre Position und ihre Machtbefugnisse ja gleich, bloß dass die Tyrannen zu ihrem Vergnügen wüten, die Könige jedoch nur mit Grund und aus Zwang. "Wie denn? Pflegen nicht auch Könige zu töten?" Schon, allerdings nur, sooft das öffentliche Interesse es nahelegt. Dem Tyrannen dagegen ist Grausamkeit ein inneres Bedürfnis. Der Tyrann unterscheidet sich vom König durch seine Taten, nicht durch seinen Titel.
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Ob es nun ein gestandener Kerl in der Welt ist, eine bekannte und angesehene Persönlichkeit, oder jemand gänzlich unbedeutendes, irgendwann ist es vorbei damit. Dann wird derjenige am Faden aus seinem Leibchen gezogen und der Engel der Gegenwart bläst mit seinem Feuerhauch alles von demjenigen ab, was nicht zu ihm gehörte. Schon werden sie alle sehr klein, zart und wehrlos.

Und dann zählt der innere Mensch, und nicht so sehr das, was ihm von außen zukam. Und wenn der Hauch des Engels der Gegenwart alles ausgeblasen hat, dann war kein Mensch an der Stelle da. Sei es nun eine Erscheinung, oder sei es ein Geschöpf, was auf seine bestimmte Evolutionskette umgesetzt wird und weitermachen darf, als irgend etwas anderes dann. Was für eine große Seele die Befreiung ist, ist für das was daherkam ohne Seele, der zweite Tod.

Darum sollte man sich nicht nur als Mensch benehmen, sondern auch Mensch zunächst sein. Alles was hinzukommt, das geht auch genauso wieder. Es reicht nicht aus, sich wie ein König zu benehmen, um ein König zu sein. Es reicht auch nicht aus, so zu tun, als wäre man ein Mensch.

Die Behauptung - Le Bon

Devino M., Sonntag, 10. März 2019, 16:10 (vor 16 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
2.B.3.K.II. Die Wirkungsmittel der Führer:
Behauptung, Wiederholung, Übertragung

Handelt es sich jedoch darum, der Massenseele Ideen und Glaubenssätze langsam einzuflößen, z.B. die modernen sozialen Lehren, so wenden die Führer verschiedene Verfahren an. Sie benutzen hauptsächlich drei bestimmte Arten: die Behauptung, die Wiederholung und die Übertragung oder Ansteckung (contagion). Ihre Wirkung ist ziemlich langsam, aber ihre Erfolge sind von Dauer.

Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und jeden Beweis ist ein sicheres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. Je bestimmter eine Behauptung, je freier sie von Beweisen und Belegen ist, desto mehr Ehrfurcht erweckt sie. Die religiösen Schriften und die Gesetzbücher aller Zeiten haben sich stets einfacher Behauptung bedient. Die Staatsmänner, die zur Durchführung einer politischen Angelegenheit berufen sind, die Industriellen, die ihre Erzeugnisse durch Anzeigen verbreiten, kennen den Wert der Behauptung. Die Behauptung hat aber nur dann wirklich Einfluss, wenn sie ständig wiederholt wird, und zwar möglichst mit denselben Ausdrücken. Napoleon sagte, es gäbe nur eine einzige ernsthafte Redefigur: die Wiederholung. Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, dass es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird.
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Es liegt auch gar nicht so sehr daran, das etwas einfach behauptet wird, sondern in dem eine möglichst breite Masse dazu gebracht wird sich damit zu befassen. Je abstruser und absurder eine Behauptung ist, und je weniger dasjenige vorhanden ist, was sich damit bereits ausführlicher befasst hat, desto mehr bringt es die Masse dazu sich damit zu befassen.

Je mehr die Masse allerdings mit irgendwelchen Gedankenformen befasst ist, desto mehr werden diese mit Energie aufgeladen. So dass es umso mächtiger auf den Einzelnen zu wirken vermag.

Allerdings gibt es dann einen Unterschied, zu demjenigen, was sich durch die Masse speist, und dem, was aus gebildetem Willen erzeugt wird. Denn was aus der Manipulation der Masse (mittels z.B. Behauptungen) erzeugt wird, bindet die Masse anhand der jeweiligen Illusion oder Verblendung. Das was aus einem weiterentwickelten Willen erzeugt wird, regiert die Masse ohne die Verblendung oder jeweilige Illusion. Vielmehr wird unter dem jeweiligen Willen die entsprechende Einsicht entwickelt, die dazu führt selbst einen solchen Willen verkörpern zu können. Also achte man mehr, auf irgendwelche Behauptungen, ohne etwas dahinter, oder ohne dass diese wirklich begründet werden können, und ob man sich damit ausführlicher befassen sollte oder eher nicht.

Die Wiederholung - Le Bon

Devino M., Sonntag, 10. März 2019, 16:18 (vor 16 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
2.B.3.K.II. Die Wirkungsmittel der Führer:
Behauptung, Wiederholung, Übertragung

Man versteht den Einfluss der Wiederholung auf die Massen gut, wenn man sieht, welche Macht sie über die aufgeklärtesten Köpfe hat. Das Wiederholte setzt sich schließlich in den tiefen Bereichen des Unbewussten fest, in denen die Ursachen unserer Handlungen verarbeitet werden. Nach einiger Zeit, wenn wir vergessen haben, wer der Urheber der wiederholten Behauptung ist, glauben wir schließlich daran.
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Die Bhagavad Gita lehrt, dass der Mensch ein fleischgeword'ner Glaube ist. Wenn wir uns also mit irgendwelchen Behauptungen befassen, dann machen wir sie zu unseren eigenen. Indem wir viele Gedanken um diese stricken, zwar mag also die Behauptung gar nicht unsere sein, jedoch die Gedanken die wir drumherum gestrickt haben.

Und in dem wir uns mit etwas befassen, findet auch bereits die Wiederholung statt. Denn wir widmen und wenden uns immer wieder und wieder der jeweiligen Sache zu, mit jedem Gedanken der mit der jeweiligen Sache zu tun hat. Es ist also niemand sonst mehr für uns selber verantwortlich, als wir selbst.

Vieles ist deswegen aus dem Lot, weil man die wahre Natur der Dinge missachtet und sich selber gern für wichtiger hält. Und sich so auch gern schmeicheln lässt, bis die Dinge von uns besitz ergreifen, bevor wir überhaupt bemerken, worin wir uns alles bereitwillig verstrickt haben.

Die Übertragung/Ansteckung - Le Bon

Devino M., Sonntag, 10. März 2019, 16:31 (vor 16 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
2.B.3.K.II. Die Wirkungsmittel der Führer:
Behauptung, Wiederholung, Übertragung

Ein Schreck, die wirre Bewegung einiger Schafe greift bald auf die ganze Herde über. Die Übertragung der Gefühle erklärt die plötzlichen Paniken. Gehirnstörungen, wie der Wahnsinn, verbreiten sich gleichfalls durch Übertragung. Es ist bekannt, wie häufig der Irrsinn bei Psychiatern auftritt. Man berichtet sogar von Geisteskrankheiten, z.B. der Platzangst, die vom Menschen auf Tiere übertragen wird.

Die Übertragung erfordert nicht die gleichzeitige Anwesenheit der Individuen an demselben Ort, sie kann auch aus der Entfernung unter dem Eindruck gewisser Ereignisse erfolgen, die alle Geister in dieselbe Richtung lenken und ihnen die besonderen Merkmale der Masse verleihen, besonders, wenn sie durch die früher erwähnten mittelbaren Faktoren vorbereitet sind.
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Die Seele des Menschen ist von Empathie gekennzeichnet. Sowohl die guten wie auch die schlechten Dinge und Eigenschaften übertragen sich.

Erst mit dem entwickelten Willensaspekt kann man zwar immer noch volle Empathie für alles besitzen und dennoch unbeeinflusst/unbeeindruckt davon bleiben, weil man seinen Willen rein erhält.

Ansonsten kann man nur schauen, dass man möglichst ausgeglichen ist, um sich von allerlei Fanatismus nicht anstecken zu lassen.

Die Nachahmung - Le Bon

Devino M., Sonntag, 10. März 2019, 16:54 (vor 16 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
2.B.3.K.II. Die Wirkungsmittel der Führer:
Behauptung, Wiederholung, Übertragung

Die vereinigte Wirkung von Vergangenheit und gegenseitiger Nachahmung macht alle Menschen desselben Landes und desselben Zeitalters schließlich zu ähnlich, dass selbst bei denen, deren besondere Pflicht es doch wäre, sich ihr zu entziehen, bei Philosophen, Gelehrten, Schriftstellern, Gedanken und Stil eine Familienähnlichkeit zeigen, die sofort die Zeit, der sie angehören, erkennen lässt. Eine kurze Unterhaltung, mit irgendeinem Menschen genügt, um seinen Lesestoff, seine regelmäßige Beschäftigung und die Umgebung, in der er lebt, von Grund auf erkennen zu lassen.

Die Ansteckung ist stark genug, den Menschen nicht nur gewisse Meinungen, sondern auch bestimmte Arten des Fühlens aufzuzwingen. Sie bewirkt die Missachtung von Werken wie z.B. der Oper "Tannhäuser" und macht einige Jahre später aus ihren ärgsten Verleumdern Bewunderer.

Überzeugung und Glaube der Massen verbreiten sich nur durch den Vorgang der Übertragung, niemals mit Hilfe von Vernunftgründen. Im Wirtshause befestigen sich durch Behauptung, Wiederholung und Übertragung die heutigen Begriffe der Arbeiter, und der Glaube der Masse ist zu allen Zeiten ebenso geschaffen worden.
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Die prägendste Macht der Ansteckung bilden heute wohl mitunter die Medien (sei es Internet oder Fernsehen u.dgl.). Allerdings sind auch die Gestalter der Medien, jedenfalls in den meisten Fällen, solche vom Volke. Sie vermitteln also nur dem Volke mitunter das, wie das Volk aktuell selbst ist. Von vereinzelten Versuchen der vorsätzlichen Manipulation abgesehen.

Die verbreiteten Verblendungen und Illusionen über die Medien, sind diejenigen der Masse selbst. Wären die Massen anders gestrickt, dann auch die Medien. Also kann man nicht nur die gesamte Verantwortung den Medien aufhalsen. Wenngleich auch die Medien die große Rolle ihrer Verantwortung erkennen sollten.

Im Grunde ist alles um die heutigen Medien herum eine Art gegenseitiger Nachahmung. Und sei es nur deswegen, dass man sich nach der breiten Masse ausrichtet, weil man es selber einfach nicht besser weiß. Denn Ratgeber gibt es viele. Die Spreu trennt sich vom Weizen wohl nur anhand gelebter Beispiele, was die tatsächliche Repräsentanz der bestimmten Dinge bildet.

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