Der Austauschprozess - Kap (alle)

Devino M., Sonntag, 18. November 2018, 17:27 (vor 23 Tagen)

Das Kapital - Karl Marx
Der Produktionsprozess des Kapitals
1. Band 2. Kapitel - Der Austauschprozess

Die Waren können nicht selbst zu Markte gehen und sich nicht selbst austauschen. Wir müssen uns also nach ihren Hütern umsehen, den Warenbesitzern. Die Waren sind Dinge und daher widerstandslos gegen den Menschen. Wenn sie nicht willig, kann er Gewalt brauchen, in anderen Worten, sie nehmen. Um diese Dinge als Waren aufeinander zu beziehen, müssen die Warenhüter sich zueinander als Personen verhalten, deren Willen in jenen Dingen haust, so dass der eine nur mit dem Willen des anderen, also jeder nur vermittelst eines beiden gemeinsamen Willensaktes sich die fremde Ware aneignet, indem er die eigene veräußert. Sie müssen sich daher wechselseitig als Privateigentümer anerkennen. Dieses Rechtsverhältnis, dessen Form der Vertrag ist, ob nun legal entwickelt oder nicht, ist ein Willensverhältnis, worin sich das ökonomische Verhältnis spiegelt. Der Inhalt dieses Rechts- oder Willensverhältnisses ist durch das ökonomische Verhältnis selbst gegeben. Die Personen existieren hier nur füreinander als Repräsentanten von Ware und daher als Warenbesitzer. Wir werden überhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, dass die ökonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich gegenübertreten.
---
Der gesamte Austauschprozess ist ein Akt verschiedener Willenserklärungen. Denn im Grunde ist der Wille der Ware [sofern sie einen eigenständigen hätte] im Verhältnis und durch die Handeltreibenden vertreten, während die Ware selbst als Symbol der Willenskräfte fungiert.

Vermutlich findet sich im Betreiben des heutigen Handels das ausgeprägteste Verständnis dessen wieder, wie ein Wille formuliert und vorgetragen sowie vertreten wird. Oder was eine Willensübereinkunft ausmacht. Denn einem jeden ist klar, wenn er eine Ware einfach an sich nimmt, die unter dem Willen eines anderen steht, dass er dadurch Diebstahl begeht. Letztlich käme das einer Verletzung des Willens eines anderen gleich.

Somit und in dem Zusammenhang, wird jede Person weitestgehend in einem unpersönlichen Sinne als Willensvertreter aufgefasst.

Willensformalitäten und Handel - Kap

Devino M., Sonntag, 18. November 2018, 17:41 (vor 23 Tagen) @ Devino M.

Das Kapital - Karl Marx
Der Produktionsprozess des Kapitals
1. Band 2. Kapitel - Der Austauschprozess

... Jeder Warenbesitzer will seine Ware nur veräußern gegen andere Waren, deren Gebrauchswert sein Bedürfnis befriedigt. Sofern ist der Austausch für ihn nur individueller Prozess. Andererseits will er seine Ware als Wert realisieren, also in jeder ihm beliebigen anderen Ware von demselben Wert, ob seine eigene Ware nun für den Besitzer der anderen Ware Gebrauchswert habe oder nicht. Sofern ist der Austausch für ihn allgemein gesellschaftlicher Prozess. Aber derselbe Prozess kann nicht gleichzeitig für alle Warenbesitzer nur individuell und zugleich nur allgemein gesellschaftlich sein.
...
Die historische Ausweitung und Vertiefung des Austausches entwickelt den in der Warennatur schlummernden Gegensatz von Gebrauchswert und Wert. Das Bedürfnis, diesen Gegensatz für den Verkehr äußerlich darzustellen, treibt zu einer selbständigen Form des Warenwerts und ruht und rastet nicht, bis sie endgültig erzielt ist durch die Verdoppelung der Ware in Ware und Geld. In demselben Maße daher, worin sich die Verwandlung der Arbeitsprodukte in Waren, vollzieht sich die Verwandlung von Ware in Geld.

---
Handel wird demnach über gesellschaftliche Akzeptanz und den Willen der Allgemeinheit abgewickelt letztlich. Denn sonst hätte alles nur individuellen Charakter und man wäre das Geld los, weil man keinen Nenner fände, und jeder nur das im Austausch haben wollte, was ihm individuell etwas nutzt. Doch fände sich schwerlich etwas adäquates, für den anderen, was ihm individuell ebenso im Austausch zusagt.

Also dient der Wille der Allgemeinheit, welcher für den Handel genutzt wird, als dritte Instanz wertgebender Normen. Aus dem Grunde liegt es also auch an der Allgemeinheit, zu entscheiden, wie der Wille wofür verwendet wird, oder nicht.

Der Fehler den man also derweil macht, in der Weise anzunehmen, dass der Markt [auch der heutige Börsenhandel] sich selbst regulieren solle, ist falsch. Oder auch, dass es nur in der Hand derer liegt, die Kapital ihr eigen nennen. Denn es wird der Wille der Allgemeinheit an sich so verwendet, dass er dem individuellen Profit Einzelner dienen soll. Es geht also nicht um Geld, es geht um den gesellschaftlichen Willen!

Gesellschaftliche Äquivalentform - Kap

Devino M., Sonntag, 18. November 2018, 18:04 (vor 23 Tagen) @ Devino M.

Das Kapital - Karl Marx
Der Produktionsprozess des Kapitals
1. Band 2. Kapitel - Der Austauschprozess

... Im unmittelbaren Produktenaustausch ist jede Ware unmittelbar Tauschmittel für ihren Besitzer, Äquivalent für ihren Nichtbesitzer, jedoch nur soweit sie Gebrauchswert für ihn. Der Tauschartikel erhält also noch keine von seinem eigenen Gebrauchswert oder dem individuellen Bedürfnis der Austauscher unabhängige Wertform. Die Notwendigkeit dieser Form entwickelt sich mit der wachsenden Anzahl und Mannigfaltigkeit der in den Austauschprozess eintretenden Waren. Die Aufgabe entspringt gleichzeitig mit den Mitteln ihrer Lösung. Ein Verkehr, worin Warenbesitzer ihre eigenen Artikel mit verschiedenen anderen Artikeln austauschen und vergleichen, findet niemals statt, ohne dass verschiedene Waren von verschiedenen Warenbesitzern innerhalb ihres Verkehrs mit einer und derselben dritten Warenart ausgetauscht und als Werte verglichen werden. Solche dritte Ware, indem sie Äquivalent für verschiedene andere Waren wird, erhält unmittelbar, wenn auch in engen Grenzen, allgemeine oder gesellschaftliche Äquivalentform.
---
Auch bieten sich Menschen selbst im Verhältnis untereinander als Waren an. Und zwar dann, wenn sie ihren eigenen Wert im Verhältnis zu den anderen Menschen abwägen und sich ähnlich einer Ware in ein Wertigkeitsverhältnis begeben. Die Wertigkeit mag sich zwar in allerlei gegenseitiger Nutznießung widerspiegeln, doch letztlich tritt auch hier der gesellschaftliche Wille mitunter hervor. Auch spiegelt eine gesellschaftliche Akzeptanz oder Anerkennung eine wesentliche Rolle hierbei.

Selbst wenn man also nicht mitmachen wollte, ist man dadurch immer noch nicht verschont, dass einem etwas zugeordnet oder sogar angedichtet wird. So kann sich einer also dagegen entscheiden und den selben Willen aufbringen konträr dazu, doch stünde damit dennoch eine gewisse gesellschaftliche Akzeptanz auf dem Spiel. Denn derjenige, der am meisten gesellschaftlich anerkannt wäre, hätte in dem Verhältnis den bedeutendsten Willen.

Die bestimmte gesellschaftliche Anerkennung ist daher eine nicht unwesentliche Konstante des allgemeinen Willens. Diese muss sich nicht und wird es auch selten sich auf eine Person beziehen. Es wird sich entweder gegen andere allgemeingesellschaftliche Willensausdrücke richten, oder gegebenenfalls sich auf die Stellung der Seele zu und in bestimmten Gesellschaftlichen Kontexten beziehen. Denn wie es sich bei der Ware verhält, die keinen eigenen Willen hat, so dass sie nur vermittelst des Willens von Personen sich willentlich fassen lässt, so ähnlich verhält es sich mit gesellschaftlichem Willen auf und zu einem anderen Willen [den Willensknoten bildet stets etwas was sich in einem wesensähnlichen, also adäquatem Verhältnis und Bezug befindet].

powered by my little forum