Essenz und Inhärenz - Ethik (alle)

Devino M., Montag, 18. Juni 2018, 23:39 (vor 127 Tagen)

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott

Lehrsatz 24:
Die Essenz der von Gott hervorgebrachten Dinge schließt nicht Existenz ein.

Beweis:
Dies ist evident aus Definition 1. Dasjenige, dessen Natur (für sich gesehen) Existenz einschließt, ist nämlich Ursache seiner selbst und existiert aus der bloßen Notwendigkeit seiner Natur.

Folgesatz:
Hieraus folgt, dass Gott nicht nur die Ursache dafür ist, dass Dinge zu existieren anfangen, sondern auch dafür, dass sie im Existieren verharren, anders formuliert (um einen scholastischen Ausdruck zu gebrauchen), dass Gott die Ursache des Seins der Dinge ist. Denn ob die [hervorgebrachten] Dinge nun existieren oder nicht, ein Blick auf ihre Essenz zeigt uns, dass diese weder Existenz noch Dauer in sich schließt. Mithin kann ihre Essenz weder von ihrer Existenz noch von ihrer Dauer die Ursache sein, sondern nur Gott [kann die Ursache sein], zu dessen bloßer Natur es gehört zu existieren.

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Oh großes Geheimnis: Das was als Essenz vorhanden ist, selbst wenn es in Gott ist, muss Gott selbst nicht darin sein. Denn so wäre er darin, wäre dieses jeweilige durch Gottes Inhärenz auf immer ewiglich.

Also kann man zur Essenz sagen, dass es etwas ist, weil es in Gott ist, aber nicht die Eigenschaften Gottes in sich trägt. So wie ein physischer Körper, in den die Seele zwar eingeht, der Körper aber nicht die Eigenschaften der Seele ist.

Zur Substanz könnte man sagen, es ist etwas, worin etwas ist, es müssen vielleicht nicht die Attribute Gottes sein, doch es ist nicht nur etwas, was nach außen hin da ist, sondern auch etwas, was nach innen hin etwas in sich birgt. Und was diesem also Substanz gibt.

Zur Existenz könnte man jedoch sagen, dass es etwas sein muss, worin auch Gott ist, deswegen existiert es an sich und überhaupt. Die Existenz in etwas vergänglichem ist nicht die Summe des Vergänglichen, sondern das Vergängliche ist eine Erfahrung für die Existenz. Die Existenz fängt also weder darin an, noch hört sie darin oder damit wieder auf.

Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes - Ethik

Devino M., Donnerstag, 21. Juni 2018, 23:26 (vor 124 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott


Lehrsatz 33:
Die Dinge haben auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von Gott hervorgebracht werden können, als sie hervorgebracht worden sind.

Anmerkung 2:
Aus dem Vorangegangenen folgt klar, dass die Dinge in höchster Vollkommenheit von Gott hervorgebracht worden sind, da sie ja aus einer gegebenen höchsten vollkommenen Natur notwendigerweise erfolgt sind. Damit wird Gott nicht irgendeine Unvollkommenheit angelastet, hat doch gerade seine Vollkommenheit uns gezwungen, dies zu behaupten. Aus dem Gegenteil folgte sogar klarerweise, dass Gott nicht höchtstvollkommen wäre. Denn wären die Dinge auf andere Weise hervorgebracht worden, müssten wir Gott eine andere Natur zuschreiben, verschieden von derjenigen, die ihm zuzuschreiben wir genötigt sind, wenn wir ihn als ein höchstvollkommenes Seienedes ansehen.

Indessen bin ich mir darüber im Klaren, dass viele diese Auffassung als widersinnig verwerfen und sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen nicht gewillt sind - allein deshalb, weil sie gewohnt sind, Gott eine andere Freiheit zuzuschreiben, sehr verschieden von derjenigen, die wir vorgetragen haben, nämlich einen unbedingten Willen. Aber ich bin doch sicher, dass sie, wenn sie die Sache recht bedenken und die Abfolge unserer Beweise gehörig erwägen wollten, eine solche Freiheit, die sie jetzt Gott zuschreiben, schließlich nicht bloß als töricht, sondern als ein großes Hindernis für die Wissenschaft gänzlich verwerfen würden.

Doch will ich ihnen zuliebe noch zeigen, dass, selbst wenn eingeräumt wird, zu Gottes Essenz gehöre ein Wille, aus seiner Vollkommenheit geleichwohl folgen würde, dass die Dinge auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von ihm hatten geschaffen werden können. Das wird sich leicht zeigen lassen, wenn wir zunächst das erwägen, was sie selbst einräumen, nämlich dass es von Gottes Beschluss und Wille allein abhängt, dass jedes Ding ist, was es ist; sonst wäre in der Tat Gott nicht die Ursache aller Dinge. Des weiteren [räumen sie ein], dass alle Beschlüsse Gottes von Ewigkeit her von Gott selbst unverbrüchlich festgesetzt sind; sonst bezichtigte man in der Tat Gott der Unvollkommenheit und Unbeständigkeit. Da es nun im Ewigen kein Wann, kein Vorher und kein Nachher gibt, folgt hieraus, nämlich aus Gottes Vollkommenheit allein, dass Gott niemals etwas anderes beschließen kann und auch nicht hat beschließen können, anders formuliert, dass Gott weder vor seinen Beschlüssen gewesen ist noch ohne sie sein kann.
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Das erklärt etwas, warum der liebe Baruch de Spinoza Schwierigkeiten hatte, seine Gedankengänge noch zu Lebzeiten der breiten Masse vorzustellen. Denn es stellte doch einen gewissen Kontrast dar zu den gängigen religiösen Überzeugungen seiner Zeit. Denn es stellt einen "personifizierten" Gott vor den Konflikt (so wäre man von sich ausgehend genötigt Gott in der Weise anzusehen), dass er ja doch keinen freien Willen hätte oder womöglich nach belieben haben können könnte.

Was hier zum einen außer acht gelassen wird, ist die Liebe als solche. Denn aufgrund der Liebe, die ja Gottes freier Wille, ja selbst seine Eigenschaft ist, kann er nicht anders als er kann, denn es ist ja doch alles von ihm hervorgebracht und also auch sein freier Wille bereits gewesen, ohne welchen es also schon gar nichts gäben täte, und manches oder vieles, vielleicht das Meiste, aufgrund seiner Liebe besteht und nicht als erster Ursache aufgrund seines (dem anschließend folgenden) Schöpferwillens.

Doch liegt die Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes nicht nur darin, dass er sich unbedingt an sich selbst halten wird, sondern dass selbst wenn er alles umgestalten würde, und alles und alle, sagen wir zu einer anderen Aufhängung umgehangen würden, sie es doch nicht (direkt oder überhaupt) feststellen könnten. Denn aufgrund Gottes Eigenschaften wäre es dann so, als wäre es schon immer so gewesen und könnte jederzeit auch nicht anders sein. Denn wir könnten schließlich nicht eine Kontinuität hervorbringen die Gottes erste (und für uns also jederzeit die Erste) Ursache seiner selbst überstiege.

Freiheit und Unfreiheit des Willens Gottes - Ethik

Devino M., Samstag, 23. Juni 2018, 23:34 (vor 122 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott


Lehrsatz 33:
Die Dinge haben auf keine andere Weise und in keiner anderen Ordnung von Gott hervorgebracht werden können, als sie hervorgebracht worden sind.

Anmerkung 2:
... Ich gebe übrigens zu, dass diese Auffassung, die alle Dinge irgendeinem indifferenten Willen Gottes unterwirft und alle Dinge von seinem Gutdünken abhängen lässt, von der Wahrheit weniger entfernt ist als die Meinung derer, die behaupten, Gott tue alles im Hinblick auf das Gute. Denn offensichtlich nehmen diese Leute an, dass es etwas außerhalb Gottes gibt, das nicht von Gott abhängt, auf das, wie auf ein Musterbild, Gott in seinem Wirken hinblickt oder auf das, wie auf ein bestimmtes Ziel, er sich richtet. Dies heißt in der Tat nichts anderes als Gott dem blinden Schicksal zu unterwerfen, und mehr Widersinn lässt sich von Gott wahrlich nicht behaupten, der, wie wir gezeigt haben, die erste und einzige freie Ursache sowohl der Essenz wie der Existenz aller Dinge ist...

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In der Bhagavad Gita heißt es von Krishna, dass, sollte er aufhören ordnungsgemäß sich nach den geistigen Gesetzen zu betätigen, die ganze Welt aufhörte entsprechend darnach zu handeln, und er würde die Ursache für die Vernichtung der Welt dadurch legen. Doch nur mal angenommen, sollte es möglich sein, dass Gott irgend ein Fehler unterliefe, so wäre es doch so, dass es dadurch immer noch zum Gesetz der ganzen Schöpfung würde, und man dieses ggf. als Fehler schlichtweg nicht ausmachen könnte.

Nun denn aber die Frage, kann Gott überhaupt nach seinen Gesetzen handeln, wenn er doch selbst das Gesetz ist? Wie könnte er zugleich also gezwungen sein, darnach zu handeln? Im Grunde kann man sagen, er selbst ist das Gesetz, also kann er darnach nicht handeln. Doch bestünde da noch die Möglichkeit dass er sich als Avatar unter das Gesetz bringt. Als Avatar wäre es für ihn dann doch erforderlich sich nach eigenen Gesetzen zu richten.

Warum ist dies unumgänglich und was wäre, wenn er dann sich nicht an die Gesetze hielte? Dann gäbe es wohl zwei Möglichkeiten, entweder gemäß dem bereits Erwähnten, wäre ein neues Gesetz dadurch da oder in geänderter Weise, oder die andere Variante, der Avatar wäre dann dadurch schlichtweg kein Avatar mehr, wenn er sich nicht an sich selbst hielte, als eine Widerspiegelungen Gottes, in allen oder den bestimmten Belangen, für die er einzustehen gekommen wäre.

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