Erkenntnisbildung geometrisch vorgestellt - Ethik (alle)

Devino M., Mittwoch, 06. Juni 2018, 09:22 (vor 140 Tagen)

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott - Definitionen

3. Unter Substanz verstehe ich das, was in sich selbst ist und durch sich selbst begriffen wird, d.h. das, dessen Begriff nicht des Begriffs eines anderen Dinges bedarf, von dem her er gebildet werden müsste.
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Manchmal, ja oft, oder meistens sogar, ist es erforderlich, wenn man z.B. etwas erkannt hat, dieses auch sofort entsprechend zur Anwendung zu bringen. Will heißen, wenn man z.B. eine Erkenntnis hat, dann hat man eine bestimmte Ausrichtung, die diese Erkenntnis begünstigt hatte, und andernfalls zu dieser nicht gekommen wäre. D.h. also, man ist in einer Linie zur entsprechenden Erkenntnis und hat die gewissen Anteile so positioniert, dass diese die jeweilige Erkenntnis aufzurufen in der Lage sind etc.

Wenn man also nicht sofort damit weiter arbeitet, dann verändert sich die Konstellation nach und nach und es treten diese gewissen Anteile in den Hintergrund und etwas anderes tritt in den Vordergrund. Geht man also als dann erst hin, und fängt an damit zu arbeiten, dann befindet man sich in einer anderen Konstellation, so dass das, was etwas so und so bedeutete, nicht mehr die selbe Bedeutung trägt und diese in der Weise vertreten ist. Ggf. ist ein Zusammenhang manchmal rekonstruierbar, dennoch ist die Qualität dessen oft nicht mehr erreicht.

Vielleicht noch anders gesagt, man arbeitet nicht mit der Erkenntnis-Substanz die jeweils die Erkenntnis begründete (genauer gesagt wohl, bezeugte), sondern mit einer anderen, und tut jedoch so, als wäre es diese ursprünglich, in Erinnerung und Ansehung des ursprünglich Ergründeten. Nur ist es dann nicht mehr das Selbe und daher wäre vieles verzerrt, gerade wenn es zum Ausdruck gebracht würde. Es wird also auch das mit hineingebracht, was mit der jeweiligen Erkenntnis-Bildung nichts zu tun hat. Während wenn man von der ursprünglichen Substanz ausgehend sofort vieles deutlich aufzeigen könnte, weil die richtigen Zusammenhänge in Kraft und vertreten zugegen sind.

Also könnte man auch nicht die Dinge so aufzeigen, wie es möglich gewesen wäre, über die ursprüngliche Substanz, die zu einer gewissen Erkenntnis geführt hatte. Also ist es erforderlich darauf zu achten, wo man sich auch bewegt, und ob es nun sinnvoll ist, damit, dieses oder doch eher jenes zu tun oder auch zu lassen.

Denn nur weil man mal nichts Schlechtes gemacht hat, heißt es ja nicht, dass man damit etwas Gutes bereits getan hätte. Umgekehrt jedoch, wenn man nichts Gutes mit dem getan hat, was dazu da ist und geeignet wäre, hat man vielleicht schon etwas Schlechtes getan. Jedenfalls hätte man vielleicht viel Schlechtes vermeiden oder zum Guten wenden oder jedenfalls zur guten Anwendung bringen können, so hätte man so getan.

Hart an der Grenze - Ethik

Devino M., Freitag, 08. Juni 2018, 10:06 (vor 138 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
1.T. - Von Gott - Definitionen

2. Dasjenige Ding heißt in seiner Gattung endlich, das von einem anderen derselben Natur begrenzt werden kann. Z.B. heißt ein Körper endlich, weil wir stets einen anderen begreifen, der größer ist. So wird ein Gedanke von einem anderen Gedanken begrenzt. Dagegen wird ein Körper nicht von einem Gedanken begrenzt, noch ein Gedanke von einem Körper.
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Darin liegen die wesentlichen Unterschiede und auch oft Schwierigkeiten im Umgang mit anderen und unter anderen. Viele nehmen eine Sache und sagen "das ist mein Ding", oder sagen es auch nicht, tuen aber so. Nicht jeder ist auf die selben Dinge ausgerichtet, auch wenn sich so viele gleich- und ähnlich Gesinnte zusammenfinden. Doch aufgrund der Vielschichtigkeit der Körperlichkeiten, wird manches überbetont und manches zu wenig beachtet.

Während man also einem Gedankengange unbedingt folgt, kann es passieren dass man willentlich irgendwo reinrennt. Auch das Willentliche basiert auf einer Art Körperlichkeit. Wer ist nun dann im Rechte? Einer der Willentlich in eine Körperlichkeit rennt und sagt aber, mir geht's doch um "meine" Gedankenform und ich habe ein Anrecht darauf dieses nach meinem belieben zu betreiben. Ja, dass stimmt, wenn es rein beim Gedanklichen allerdings bliebe! Jemand anderes hat ebenso sehr ein Anrecht darauf, ja noch ein größeres sodann, seine Körperlichkeit heil aufrecht zu erhalten. Oder auch seinen Willen, ohne dass dieser also gebrochen wird.

Es bedarf einiger Achtsamkeit und Feinfühligkeit. Denn kaum wird man überhaupt auf etwas von Substanz treffen, ohne eine Existenz dahinter. Dazu müsste man andernfalls etwas Erschaffen, was in keiner Weise bisher da war. Dann kann man sein Geschäft damit auch beliebig betreiben, doch wird man kaum, vor allem als eine Wesenheit in allerlei Verkörperung, an die Stelle kommen. Erst recht nicht, dass man selbsterschaffene Essenz und Substanz ausschließlich verwendet, ohne die Energie von Devas in Anspruch zu nehmen usw.

Was man jedoch zur Beförderung dessen machen kann, ist darauf zu achten, dass man immer wieder bei sich anfängt, und weniger irgendwo hin-, rein- oder rumzuspringen oder losrennt sobald etwas von außen hinzugekommen ist. Wenn man dann von sich ausgehend, sich zu diesem oder jenem hinarbeitet, dann besteht auch kaum Gefahr, dass man lediglich zum Schaden anderer (auch verschiedener Wesen, die sich jenseits des eigenen Bewusstseinskreises befinden) agiert, ohne dass man das auch nur ansatzweise wieder aufwiegt, durch das eigene Zutuen. Manchmal macht es Sinn die eigene Grenze abzustecken, aber nicht unbedingt einen Sinn, hart an der Grenze anderer stets zu operieren.

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