Mit dem Leben im Einklang stehen - Seneca (alle)

Devino M., Sonntag, 14. April 2019, 16:22 (vor 9 Tagen) @ Devino M.

Seneca: Briefe an Lucius [Epistulae ad Lucilium] 75

Du beklagst dich darüber, dass meine Briefe an dich nicht sorgfältig genug formuliert sind. Doch wer redet schon ganz gewählt außer dem, der gespreizt sprechen will? So wie meine Sprache wäre, wenn wir beisammensäßen oder gemeinsam Spaziergänge machten, nämlich ungekünstelt und salopp, so wünsche ich mir auch meine Briefe, die nichts Gesuchtes oder Erzwungenes an sich haben.
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Zwar möchte ich, beim Hercules, nicht, dass nüchtern und trocken ist, was über so wichtige Themen gesagt wird (denn auch die Philosophie verzichtet nicht auf Geist), trotzdem darf man auf den Stil nicht so viel Mühe verwenden.

Dies sei unser oberster Grundsatz: Was wir denken, wollen wir sagen, und was wir sagen, wollen wir denken. Die Worte sollen mit dem Leben in Einklang stehen. Der hat sein Versprechen erfüllt, der, sowohl wenn man ihn sieht als auch wenn man ihn hört, ein und derselbe ist.
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Unsere Worte sollen nicht unterhalten, sondern nützen. Falls jedoch jemand, ohne sehr zu suchen, über rhetorische Fähigkeiten verfügt, falls sie bereitstehen oder wenig Aufwand erfordern, dann mögen sie eingesetzt werden und die herrlichsten Gedanken unterstreichen: aber eben so, dass sie eher die Ideen als sich selbst in den Vordergrund rücken.

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Die Stärke des Männlichen liegt darin, dass auszudrücken, wie etwas ist. Die Stärke des Weiblichen liegt im dynamischen Umgang, mit dem, was da ist. Wenn man jedoch selbst das nicht erfüllt, was man sagt, dann nennt sich dieses Luschenhaftigkeit.

Stärke ist es also, zu dem zu stehen, was da ist. Härte nach außen hin ist oft dann da, weil innerlich eine Luschenhaftigkeit vorhanden ist, und im Gegenzug zu dieser, wird dann Härte entwickelt, an der Stelle, wo sie unnütz oder unangebracht ist.

Auch ist es eine Frage, woher etwas kommt. Denn klar ist, ohne etwas anzufassen, kann sich nichts tun, selbst also um über den Alltag zu kommen, ist man mehr oder weniger gezwungen das anzufassen und damit zu arbeiten was da ist. Allerdings ist ja nicht alles von uns allein her da. Bekommt man z.B. etwas mit viel Potenz einer bestimmten Art bereitgestellt, dann neigt man schnell selber dazu, jeweiliges in sich nur rudimentär zu entwickeln. Und ist das von der Allgemeinheit Bereitgestellte nicht mehr da, dann entstehen oft unausgewogene Extreme, zu denen dann einer neigt, um das was eher fehlt, anderweit zu kompensieren, oder auf Kosten anderer Dinge zu erwirken.


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