Philosophische Erkenntnisarbeit (alle)

Devino M., Mittwoch, 20. März 2019, 00:49 (vor 118 Tagen)

Seneca - Epistulae ad Lcilium [Briefe an Lucius] 108

Meines Erachtens vergeht sich keiner mehr an der ganzen Menschheit als die Leute, welche die Philosophie wie ein käufliches Handwerk erlernt haben und anders leben, als man nach ihrer Lehre leben muss. Sie demonstrieren nämlich höchstpersönlich die Nutzlosigkeit ihres Faches, da sie jedem Laster, das sie aufs Korn nehmen, selbst verfallen sind. Als Lehrer kann mir so jemand genausowenig nützen wie ein Steuermann, der bei einem Sturm seekrank wird.
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Der vermeintliche Glaube als Überzeugung kann oft größer sein, als der Nutzen, der bedingt daraus entsteht. Denn viele sind derer, die zwar überzeugt von dem sind was sie tun, doch ist die Masse durch die jeweiligen noch überzeugter, von dem, was sie durch diejenigen verrichtet.

Die Einzelnen wissen oft nicht, dass sie von der Masse in sich bestimmt werden. Scheinbar liegt alle Entscheidung in ihrer eigenen Hand, doch was macht die scheinbare Handhabe, wenn sie in allem dem entspricht, was die Masse einfordert?

Das ist in dem Falle käufliche Philosophie, nicht unbedingt weil sie endgeldlich erworben wurde, sondern weil sie nur der Masse zu gefallen und zu entsprechen weiß. Ohne dass die Mühe eigener Erkenntnisarbeit sich von der Masse hervorzuheben versteht, ist es keine Philosophie, selbst wenn das Etikett und der passende Deckmantel vorhanden sind.


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