Unser aller Vorbilder - de ira (alle)

Devino M., Sonntag, 24. Februar 2019, 19:23 (vor 203 Tagen) @ Devino M.

Seneca - [Über den Zorn/Wut] De ira 3

Wir müssen uns an möglichst friedfertige und umgängliche Menschen anschließen und die argwöhnischen und starrsinnigen meiden. Man übernimmt nämlich die Eigenheiten derer, mit denen man Umgang hat, und wie sich körperliche Krankheiten durch Ansteckung übertragen, so werden auch charakterliche Defekte an die unmittelbare Umgebung weitergegeben.
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Ebenso verhält es sich - nur umgekehrt - mit den guten Eigenschaften: Auf alles, womit sie in Berührung kommen, wirken sie besänftigend, und stärker noch, als eine heilsame Gegend und ein günstiges Klima der Gesundheit nützen, beeinflusst der Umgang mit vorbildlichen Menschen diejenigen, die innerlich noch nicht hinreichend gefestigt sind.

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Es färbt irgendwo alles mit auf das Umfeld ab. Genauso werden Illusionen und Verblendungen quasi mit der Muttermilch bereits aufgenommen. Man lernt ja die Welt zunächst im Umfeld seiner Eltern, Familie oder was sonst als nächstes gilt kennen. Und hält die Dinge, welche auch immer zunächst da sind, für die normalen Dinge.

Ist man von guten Menschen umgeben, dann kann man dankbar dafür sein. Ist man von weniger Guten umgeben, dann vergesse man nicht, dass sie auch durch irgend etwas dahin gelangt sind. Ob nun mehr oder weniger selbstverschuldet. In vielleicht den meisten Fällen wollten und wollen sie dort gar nicht sein.

Es bedarf mehr guter Vorbilder. Damit lässt sich das heilen, was der guten Vorbilder bedarf. Und man beachte, dass man stets selbst mit allem ein Vorbild ist, ob man es nun will oder nicht. Und je wesentlicher die Rolle, die man einnimmt, umso weitreichender das Vorbild das man abgibt. Und wer am längsten sich selbst als direkten Doppelgänger ertragen könnte, der ist wohl am meisten mit sich selbst im reinen.


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