Masse und Diskriminierung - Le Bon (alle)

Devino M., Sonntag, 17. Februar 2019, 16:39 (vor 210 Tagen) @ Devino M.

Psychologie der Massen - Gustave Le Bon
1.B.2.K.I. Triebhaftigkeit, Beweglichkeit und Erregbarkeit der Massen

Bei der Untersuchung ihrer grundlegenden Charakterzüge sagten wir, dass die Masse beinahe ausschließlich vom Unbewussten geleitet wird. Ihre Handlungen stehen viel öfter unter dem Einfluss des Rückenmarks als unter dem des Gehirns. Die vollzogenen Handlungen können ihrer Ausführung nach vollkommen sein, da sie aber nicht vom Gehirn ausgehen, so handelt der einzelne nach zufälligen Reizen. Die Masse ist der Spielball aller äußeren Reize, deren unaufhörlichen Wechsel sie widerspiegelt. Sie ist also die Sklavin der empfangenden Anregungen. Der allein stehende einzelne kann ja denselben Reizen unterliegen wie die Masse, da ihm aber sein Gehirn die unangenehmen Folgen des Nachgebens zeigt, so gehorcht er ihnen nicht. Physiologisch lässt es sich so erklären, dass der allein stehende einzelne die Fähigkeit zur Beherrschung seiner Empfindungen hat, die Masse aber nicht dazu imstande ist.
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Es gibt schlichtweg kein Kontrollorgan in der Masse, welches Einhalt gebietet, von den Grenzen und Möglichkeiten des Einzelnen abgesehen, durch welchen die Masse sich ausdrückt. Allerdings sollte man, so lange es nicht um eine innige Beziehung und direktesten Umgang mit jemandem geht, nie nur allein eine Persönlichkeit in jemandem sehen. Desweitern auch bei sich selbst, nie unterschätzen, was alles durch einen sich irgendwo Ausdruck verleiht.

Als Beispiel die Frage, ob ein Einzelner überhaupt fähig zur Rassendiskriminierung ist? Wenn man also angenommen die paar Jahrzehnte von jemandem nimmt, und ihm die Jahrmillionen der Entwicklung einer Rasse entgegenstellt [vor allem wenn man die Summe der einzelnen Leben mal zu einer Zahl zusammenführt, die zur Entwicklung der Rasse beisteuerten], und sofern es möglich wäre es dem Einzelnen wirklich vor Augen zu führen, so bliebe wohl ausschließlich Ehrfurcht über. Und der Einzelne würde sein eigenes einzelnes [in dem Verhältnis wohl klägliches] Leben als völlig bedeutungslos dazu anerkennen.

Die einzelnen Vorlieben und Abneigungen mal also beiseite gelassen, ist wohl anzunehmen, dass es die eine bestimmte Masse einer Rasse zuzählend in dem einen, die jeweils gleiche Masse in dem jeweils anderen ist, die zur Rassendiskriminierung neigt. Und auch nur dasjenige ist, was den einzelnen statt sich als Einzeln anzusehen dazu bringt, sich stark genug vorzukommen, um gegen eine andere Masse sich aufzubäumen. Der Einzelne, der sich dann Tendenzen von Rassenhass oder Diskriminierung hingibt, ist eher das Opfer der eigenen Rasse und Masse in sich, welcher er sich nicht zu widersetzen vermag.


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