Ein psychisches Band - LU (alle)

Devino M., Sonntag, 30. September 2018, 22:27 (vor 20 Tagen)

Logische Untersuchungen - Edmund Husserl - 2.B. VI. 6.K.
§56. Fortsetzung. Das psychische Band der verknüpften Akte und die kategoriale Einheit der entsprechenden Objekte

Man könnte für den Augenblick denken, es seien z.B. im Falle einer Beziehung nur die Beziehungspunkte vergegenwärtigt, und das Neue liege in einem bloßen psychischen Charakter, der die beiden Erscheinungen verknüpft. Aber eine Verknüpfung der Akte ist ja nicht ohne weiteres eine Verknüpfung der Objekte; bestenfalls kann sie solch eine Verknüpfung zur Erscheinung verhelfen: sie selbst ist doch nicht die Verknüpfung, die in ihr erscheint. Das psychische Band zwischen den Akten kann hergestellt sein und hierdurch die gegenständliche Beziehung erscheinen, während diese Beziehung, selbst wenn sie wirklich existierende Objekte in eins setzt, gar nicht besteht.
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Als Beispiel kann man anführen, dass bei manchen Religionen gewisse Dinge als heilig oder unheilig zählen; der Umgang damit würde einen Anhänger jeweiliger Religion den Gegenstand nicht mehr neutral erscheinen lassen. Sodann ist der Gegenstand ja nicht anders, als er an sich ist, wenn man ihn rein objektiv betrachtet. Im äußersten Falle wäre z.B. ein Idealismus im Spiel, der eigentlich ja mit dem objektivierten Gegenstand nichts zu tuen hätte. Also ist dies eine psychische Beziehung, die den Gegenstand unter die Anschauung eines Idealismus bringt.

Kann einer aus sich heraus nicht mehr mit dem Gegenstand neutral umgehen, heißt es nicht einmal, dass es allein im psychischen Verhältnis des Jeweiligen zum Gegenstand liegt; denn es kann ebenso gut auch das im Jeweiligen vorherrschende kollektiv-psychische Verhältnis sein. Erst recht dann, wenn einer wie unter Zwang steht, obwohl er über dieses hinaus, ein völlig vernunftbegabter Mensch zu sein scheint, im Umgange mit allerlei anderen Dingen. Dabei stellt sich auch psychologisch die Frage, was es im Jeweiligen ist, und was so einer Behandlung überhaupt bedarf, wenn eine Beziehung auf eine gesündere Basis gestellt werden soll.

Überhaupt ist es eine Frage, worin ein synthetisches Verhältnis besteht. Es wird also ein Gemeinsames geben, was die Synthese bildet. Selbst eine ähnliche Wahrnehmung der Dinge, stellt also bereits eine Synthese zwischen einer Spezies vernunftbegabter Wesen her. Denn die Dinge werden leicht eine ähnliche Bedeutung gewinnen, dadurch, dass sie ähnlicher Ansehung sind.


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