Die den Tod kaum fürchten - Ethik (alle)

Devino M., Sonntag, 02. September 2018, 23:31 (vor 51 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
5.T. - Von der Macht des Verstandes

Lehrsatz 39:
Wer einen Körper hat, der zu sehr vielem befähigt ist, hat einen Geist, dessen größter Teil ewig ist.

Beweis:
Wer einen Körper hat, der fähig ist, sehr vieles zu tun, wird weniger von Affekten bedrängt, die schlecht sind, d.h. von Affekten, die unserer Natur entgegengesetzt sind. Mithin hat er die Gewalt, die Affektionen des Körper gemäß einer Ordnung zu ordnen und zu verketten, die dem verstand gemäß ist, und folglich zuwege zu bringen, dass alle Affektionen des Körpers auf die Idee Gottes bezogen werden. Das hat zur Folge, dass er mit einer Liebe zu Gott affiziert wird, die den größten Teil des Geistes einnehmen, anders formuliert ausmachen muss. Somit hat er einen Geist, dessen größter Teil ewig ist.

Anmerkung:
Weil menschliche Körper zu sehr vielem befähigt sind, besteht kein Zweifel, dass sie von einer solchen Natur sein können, dass sie Geistern korrespondieren, die eine große Erkenntnis von sich und von Gott haben und deren größter Teil, der Hauptteil also, ewig ist, die mithin den Tod kaum fürchten.

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Sofern man es lediglich auf den physikalisch-materiellen Körper bezieht, und lediglich nach dessen Stärke ginge, würde man letztlich beim Primaten landen, als die vorzüglichere Spezies. Bezieht man jedoch alle Arten von Körperlichkeit mit ein, dann ist es tatsächlich so, dass je vollkommener jeweiliges ist, desto größer für gewöhnlich der Geist, der damit korrespondiert.

Allein schon deswegen, weil je mehr spezifische Körperlichkeit da ist, desto mehr Geistesstärke und Konzentration wird erforderlich, um derlei zu bedienen. Anzunehmen ist auch, dass alles, was sich affizieren lässt, zu irgend einer Art Verkörperung gehört. Der Geist jedoch ist das, was sich nicht affizieren lässt, daher sich als transzendent zu allen Affekten verhält, die lediglich das Körperliche zu ergreifen vermögen.

Ein Seelenzyklus wird wohl bei jeder Inkarnation vollzogen, doch ist die Frage, ob alle Körperlichkeit vollständig abgelegt wird? Da es auch größere Zyklen gibt, die eine Seele vollzieht, im Verlauf und nach Ansammlung gewisser Inkarnationen, ist anzunehmen, dass zumindest im letzteren Fall irgendwann alles aufgelöst wird, was sich irgendwie auch nur affizieren ließe. Womit dann auch alle feinere Verkörperung aufgelöst wird. Dies wird wohl dann sein, wenn die Seele den Tod nicht fürchtet, deswegen, weil alles was für sie von Wert ist, nur noch im reinen Geiste liegt.


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