Existenzbekunden - Ethik (alle)

Devino M., Freitag, 17. August 2018, 00:35 (vor 124 Tagen)

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
4.T. - Von menschlicher Knechtschaft

Lehrsatz 21:
Niemand kann begehren, glücklich zu sein, gut zu handeln und gut zu leben, der nicht zugleich begehrte, zu sein, zu handeln und zu leben, d.h. wirklich zu existieren.

Beweis:
Der Beweis dieses Lehrsatzes oder vielmehr die Sache selbst ist durch sich selbst evident, aber auch aus der Definition von Begierde; die Begierde, glücklich, d.h. gut zu leben, zu handeln usw., ist nämlich genau des Menschen Essenz, d.h. das Streben, mit dem ein jeder sein Sein zu erhalten strebt.

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Jemand kann um sich herum alles haben, von dem viele danach aufbegehren, und dennoch sich vollständig leer und unglücklich vorkommen. Oder auch so, als hätte das alles nichts mit ihm wirklich zu tuen, weil es seine innere Essenz nicht befriedet oder erfüllt und diese in den umstehenden Dingen nicht angetroffen wird. Es kann dann darauf hinaus laufen, dass es lediglich einer äußeren Erscheinungswelt entspricht. Letztlich auch, kann es zu Dekadenz führen, so, dass es auf Seiten der Trauer und nicht auf der Seite der Freude sich für denjenigen jedenfalls befindet.

Dies liegt schlichtweg daran, dass das Innere mit dem Äußeren nicht übereinstimmig ist. Was daher kommt, dass es nicht in der Essenz desjenigen ist und/oder diese nicht entsprechend widergespiegelt wird. Die Begierde als der Essenz angeordnet ist eine speziellere Definition, im Vergleich zum allgemeinen Verständnis von Begierde. Denn wenn einer gierig danach wäre, die gewissen außenstehenden Umstände zu erreichen, wird Gier zum treibenden Motivator; auch das wäre dann auf Seiten der Trauer angesiedelt [gemäß der Definition von Spinoza].

Man darf sich also erlauben, glücklich zu sein, entsprechend hinreichend vermögend u.dgl.m. Die Begierde als Essenz in so einem Fall ist kein Begehren, sondern eines, was die Dinge als der Essenz zugehörig und zustehend anzusehen wäre. Zwar mag auch das zu Trauer führen, wenn diese Dinge nicht erfüllt sind, jedoch ist es kein aktiv ausgelöste Trauer, die durch eigenes Handeln entsteht. Und sofern auch ein Erlauben gegeben ist, dass es durch das Umfeld und Umstände erfüllt werden kann, ist die Wahrscheinlichkeit dessen, ein durchaus eher denkbares Szenario.

Denn eher wird das eintreten, worin man zu existieren bereit ist, als das, wozu man keinerlei Bezug hergestellt hat.


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