Von Affekten zur Selbstreproduktion - Ethik (alle)

Devino M., Sonntag, 12. August 2018, 20:12 (vor 67 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte

Allgemeine Definition der Affekte:
Ein Affekt, der eine Leidenschaft des Gemüts genannt wird, ist eine verworrene Idee, mit der der Geist von seinem Körper oder irgendeinem seiner Teile eine größere oder geringere Kraft des Existierens als vorher bejaht, und von der, wenn sie gegeben ist, der Geist bestimmt wird, eher an dieses als an jenes zu denken.

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Das ist eine sehr gute Zusammenfassung der Affekte. Denn hieraus erklärt sich, warum Affekte überhaupt greifen, einfach weil sie unter der Annahme Erfolg haben, dass man meint, damit sich in seiner größeren Existenz zu bejahen. Es wird zu einem gehörig gesehen, nicht von der Vernunft her, sondern dass man so und so müsse, weil man sich sonst hemmt. Andererseits ist es doch eine Hemmung der vollkommenen Geistigen Idee, die eine Alternative dazu wäre.

Beim Affekt und der Aufnahme dessen, was vom Affekt herrührt, führt man damit etwas für gewöhnlich sich zu, was man doch nicht ist. Und dieses Zugeführte, ist die Ursache der Affekte, so dass man letztlich so und so reagiert oder mit etwas umgeht, ohne wirkliche Handhabe, weil man nicht selbst das Zugeführte ist (so lange wie es in einem ist - was jedoch auch eine gewisse Notwendigkeit sein kann, wie zuvor bereits aufgeführt).

Deswegen auch die Sache mit der verworrenen geistigen Idee, weil es ja nicht wirklich dem eigenen Geist also entspringt und entspricht, auch wenn man es dafür in dem Augenblick hält, da man sonst nicht länger oder weiter davon affiziert wäre. Eine Affektion ist nicht ganz freiwillig, sonst wäre es eine bloße Neigung, die man wählt, allerdings auch anders können kann, im Falle von Neigungen und nicht so sehr bei Affekten.

Es fehlt also in dem Zusammenhang die Selbstreproduktion. Dass ist der Unterschied zum Affekt und dem Beigefügten, woraus der Affekt entsteht. Ist Selbstreproduktion im Spiel, und dies bräuchte kein hohe Kunst sein, dann ist diese vom Grundsatz her von Affekten frei. Selbstreproduktion in dem hier gemeinten Sinne, ist das Erzeugte ohne etwas Zugeführtes, als nur dem, was selbst erzeugt wird, d.h. ohne etwas anderes zwingend in Anspruch zu nehmen.


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