Rebstock - Ethik (alle)

Devino M., Samstag, 11. August 2018, 12:24 (vor 130 Tagen)

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte

Definitionen der Affekte:
1. Begierde ist des Menschen Essenz selbst, insofern diese begriffen wird als von irgendeiner ihrer gegebenen Affektionen dazu bestimmt, etwas zu tun.

Erläuterung:
Wir haben in der Anmerkung zu Lehrsatz 9 dieses Teils gesagt, dass Begierde Trieb mit dem Bewusstsein des Triebes ist und dass Trieb des Menschen Essenz selbst ist, insofern sie bestimmt ist, das zu tun, was der Erhaltung des Menschen dient. Doch habe ich in derselben Anmerkung zugleich darauf aufmerksam gemacht, dass ich zwischen menschlichem Trieb und menschlicher Begierde in Wirklichkeit keinen Unterschied gelten lasse. Denn mag ein Mensch sich seines Triebes bewusst sein oder nicht, der Trieb bleibt doch ein und derselbe.

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Es wird oft ein Vergleich zu einem Baum [auch in der Bhagavad Gita der Fall - wie auch in der Bibel] gezogen, in dem Fall kann man auch ein Rebstock nehmen, und des Menschen Triebhaftigkeit daran festmachen. Auf das Ätherische bezogen, was nicht direkt formbezogen ist, ist der Vergleich ganz zutreffend sogar. Denn sofern etwas angefasst wird und Signale ans Bewusstsein sendet, dann hat es ja irgend eine Essenz dahinter. Und so reagieren die Menschen auf dieses und jenes teils unterschiedlich, oder sprechen und springen auf etwas so und so an, oder gar nicht usw.

Wächst einer also zum Erwachsenen heran und wird dann ggf. auch etwas älter und reifer, lässt sich oft feststellen, wie derjenige gewachsen ist. Wurden z.B. gewisse Dinge nicht gepflegt, dann gibt es entsprechende Äste nicht oder manche Äste sind bereits so fest ausgewachsen (ausgeprägt), dass da etwas anderes kaum noch anwachsen und mitwachsen kann. Und so ist es auch nicht abwegig, dass gewisse Äste, die keine Frucht hervorbringen, abgemacht werden können oder sollten.

Nimmt man also den Menschen allgemein als Spezies, dann ist es so, dass fast alles auf gewisse Umstände angewiesen ist, um überhaupt entwicklungsfähige Bedingungen zu schaffen, wie beim Wuchse eines Rebstocks auch. Aus diesem geht auch evident hervor, dass der Mensch ein sehr bedürftiges Lebewesen ist [was sich u.a. am Klimawandel sicher noch weit deutlicher zeigen wird in den nächsten Jahren, so dass ohne ein blaues Auge kaum noch etwas zum besseren gewendet werden können kann - wenn es nicht gar noch zum schlimmeren gereicht].

Soll also heißen, dass der Trieb/die Begierde notwendig dazu gehört [mehr im Sinne der Gunas nach der Bhagavad Gita - d.h. der Trägheit, Leidenschaft, Tugendhaftigkeit], weil der Mensch aus sich heraus, sich selbst nicht soweit befrieden kann, um nicht auf irgend etwas außerhalb seiner selbst, angewiesen zu sein. Es beginnt also in der Selbsterhaltung und endet in der Lust. Von der Art der Begierde selbst aus gesehen, spielt es also keine Rolle, welche Form der Begierde vorliegt, es ist vom Effekt her etwas Ähnliches.

So geht es darum, auf der einen Seite dieses etwas voran zu bringen, bis es ein höheres Niveau erreicht, in dem es dieses widerspiegelt. Wird man daran merken, wenn das gesamte Lebensumfeld der Menschheit (Spezies) als solcher sich umgestaltet. Auf der anderen Seite sich frei zu machen von den Begierden, solchen, die nicht notwendig sind. Nicht durch bloße (Gegen-)Zwänge, sondern dadurch, dass kein Bedürfnis mehr danach entsteht, was für gewöhnlich mittels Einsicht dann erfolgt. Nur darin liegt der Weg aus der Nichtigkeit heraus, so dass das, was am Rebstock wächst, auch die Frucht hervorbringt, die man sich letztlich selber wünscht.


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