Überhang an Liebe - Ethik (alle)

Devino M., Freitag, 27. Juli 2018, 00:30 (vor 86 Tagen)

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
3.T. - Von dem Ursprung und der Natur der Affekte

Lehrsatz 43:
Hass wird über Erwiderung von Hass vermehrt und kann andererseits von Liebe getilgt werden.

Beweis:
Wer sich vorstellt, dass der, den er hasst, mit Hass auf ihn affiziert ist, wird ebendeshalb mit neuem Hass erfüllt, während der erste (der Vorstellung nach) noch anhält. Wenn er sich andererseits vorstellt, dass jener mit Liebe zu ihm affiziert ist, betrachtet er, insofern er sich dies vorstellt, sich selbst mit Freude und wird insofern streben, jenem zu gefallen; d.h., in diesem Maße strebt er, ihn nicht zu hassen und nicht mit Trauer zu affizieren; und dieses Streben wird größer oder kleiner sein je nach der Größe des Affekts, dem es entspringt; ist es größer als dasjenige, dass Hass entspringt und mit dem er das verhasste Ding mit Trauer zu affizieren strebt, wird es mithin das andere überwiegen und den Hass in seinem Gemüt tilgen.

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Es gibt wohl keinen, wie auch immer sich wer gebärden, sich als böse gebend, oder von Härte gedrungen, sich nun auf dem Weg befände, der nicht doch auch geliebt sein möchte. Oft wird dann Anspielung auf die harte Schale und den weichen Kern genommen. Die Sache ist ja nur die, dass hier und da, und sei es auf etwas bezogen oder partiell, Hass oder Liebe vorherrschend sind.

Sicher braucht man nicht blauäugig sein, und annehmen, weil Liebe mal wo vorherrschend sei, zugleich alle Schwierigkeiten wie vom Erdboden dadurch verschwinden. Doch ist es etwas anderes, wenn Liebe also Hass überwiegt, und so auch dieser aufgehoben wird. Zwar mag es nicht einmal weniger zu tuen geben, vielleicht auch mehr noch, schon allein in dem was dadurch zusätzlich zu tuen aufgezeichnet wird und was alles zusätzlich noch getan werden können kann; doch ist die Grundlage ja die, dass jeder also irgendwo seinem Kern dadurch näher stehen kann.

Somit wird nach und nach also alles abgetragen, statt aufgestaut, was einem dem inneren Kerne nach in Dissoziation brächte. Je mehr also jeder sich selbst sein kann, umso mehr wird weniger das sein, was dazwischen sich einfindet, wohin es nicht gehört, denn sonst wäre es ja nicht dazwischen. Womit aus einem Überhang und Überschwang von Liebe, alles zu etwas besserem gedeiht, als es ohnedem zu sein vermag.


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