Für den Geist ist alles Geist - Ethik (alle)

Devino M., Sonntag, 01. Juli 2018, 01:24 (vor 115 Tagen) @ Devino M.

Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt - Baruch de Spinoza
2.T. - Von der Natur und dem Ursprung des Geistes

Lehrsatz 17:
Wenn der menschliche Körper in einer Weise affiziert ist, die die Natur eines äußeren Körpers in sich schließt, dann wird der menschliche Geist ebendiesen äußeren Körper als wirklich existierend oder als ihm gegenwärtig betrachten, bis der Körper mit einem Affekt [einer Affektion(?)] affiziert wird, der die Existenz oder Gegenwart dieses Körpers ausschließt.

Beweis: Dies ist evident. Denn solange der menschliche Körper so affiziert ist, wird der menschliche Geist diese Affektion des Körpers betrachten, d.h., er wird die Idee eines wirklich existierenden Modus haben, eine Idee also, die die Natur des äußeren Körpers in sich schließt, d.h. eine Idee, die die Existenz oder Gegenwart der Natur des äußeren Körpers nicht ausschließt, sondern setzt; mithin wird der Geist den äußeren Körper als wirklich existierend oder als gegenwärtig betrachten, bis [der Körper] affiziert wird usw.

Anmerkung:
... Und hier möchte ich, um die Frage nach dem, was Irrtum ist, anzuschneiden, darauf aufmerksam machen, dass die Vorstellungen des Geistes, in sich gesehen, keinen Irrtum enthalten, d.h. dass der Geist nicht deshalb schon, weil er vorstellt, irrt, sondern nur unter dem Aspekt, dass er einer Idee entbehrt, die die Existenz der Dinge, die er als gegenwärtig vorstellt, ausschließt. Denn wenn der Geist, während er nicht existierende Dinge als gegenwärtig vorstellt, zugleich wüsste, dass diese Dinge in Wirklichkeit nicht existieren, würde er gewiss eine solche Macht des Vorstellens einer Vorzüglichkeit und nicht einem Fehler seiner Natur zuschreiben, zumal dann, wenn die Fähigkeit so vorzustellen von seiner Natur allein abhinge, d.h. wenn des Geistes Fähigkeit vorzustellen frei wäre.

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Es heißt für das Unterbewusstsein ist alles echt, und es kennt keinen Unterschied zwischen dem was zu irgend einer Art Spiel gehört, oder dem was tatsächlich weitreichendere Auswirkungen mit sich führt. Ähnlich ist es ja auch für den Geist, der sagen wir je nach der Affektion durch eine Idee, mit etwas befasst ist, oder nicht befasst ist.

So spielt es keine Rolle, ob wir etwas für uns selber als wichtiger oder weniger wichtig erachten. Entweder stehen dem Geist gewisse Modi (in dem Fall zählen wir mal auch Körper hinzu) zur Verfügung oder nicht. Umfasst der Geist also die Schöpfungsgedanken Gottes, so sind ihm keine Grenzen mehr gesetzt. Allerdings im äußersten Falle würde alles Vorgestellte dann womöglich zur unbedingten Realität und die Idee des Vorstellens selbst würde aufhören.

Also ist vieles eine Frage nicht nur des Gewahrseins, sondern auch der im Geist beinhalteten Ideen, die als Modi dienen, in ganz ähnliches Weise, wie auch Körper dem Geiste lediglich als Modi dienen. Denn mit beidem lässt sich etwas modifizieren und bewirken. Nur dass die erste Einwirkung oder Ursache, auf einer anderen Art von Stoff oder Substanz basiert.


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