Formgebende Flexion - LU (alle)

Devino M., Samstag, 12. Mai 2018, 19:43 (vor 65 Tagen) @ Devino M.

Logische Untersuchungen - Edmund Husserl - 2.B. VI. 6.K.
§43. Die objektiven Korrelate der kategorialen Formen keine "realen" Momente

Die formgebende Flexion, das Sein in der attributiven und prädikativen Funktion, erfüllt sich, sagten wir, in keiner Wahrnehmung. Hier erinnern wir uns an den Kantschen Satz: Das Sein ist kein reales Prädikat. Bezieht er sich auch auf das existenziale Sein, auf das Sein der "absoluten Position", wie es auch Herbart genannt hat, so können wir ihn doch nicht minder für das prädikative und attributive Sein in Beschlag nehmen. Jedenfalls meint er genau das, was wir hier klarlegen wollen.
Die Farbe kann ich sehen, nicht das Farbig-sein. Die Glätte kann ich fühlen, nicht aber das Glatt-sein. Den Ton kann ich hören, nicht aber das Tönend-sein. Das Sein ist nichts im Gegenstande, kein Teil desselben, kein ihm einwohnendes Moment; keine Qualität oder Intensität, aber auch keine Figur, keine innere Form überhaupt, kein wie immer zu fassendes konstitutives Merkmal. Das Sein ist aber auch nichts an einem Gegenstande, es ist wie kein reales inneres, so auch kein reales äußeres Merkmal und darum im realen Sinne überhaupt kein "Merkmal". Denn es betrifft auch nicht die sachlichen Einheitsformen, welche Gegenstände zu umfassenderen Gegenständen verknüpfen, Farben zu Farbengestalten, Töne zu Harmonien, Dinge zu umfassenderen Dingen oder Dingordnungen (Garten, Straße, phänomenale Außenwelt). In diesen sachlichen Einheitsformen gründen die äußeren Merkmale der Gegenstände, das Rechts und Links, das Hoch und Tief, das Laut und Leise usw., worunter sich so etwas wie das Ist natürlich nicht findet.

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Bedingt trifft es wohl zu, unbedingt aber nicht. Denn zum einen und wie es bereits bis zu einem gewissen Grad wissenschaftlich erwiesen ist, können Materialien auf Gedanken und die ihnen entgegengebrachte Schwingung durchaus eine gewisse Reaktion zeigen und sind daher nicht einfach bloß Dinge ohne irgendetwas anderem als bloß ihrem gegenständlichem Charakter.

Darüber hinaus, wenn man Gegenstände nach einer Teleologie anordnet, bekommen sie ja zusätzlich den entsprechenden Charakter, welcher ihnen auch von einem bestimmten Kollektiv zukommt. Auch darin liegt das oft erwähnte "Pflegen" bis zu einem gewissen Umfang. Man kann den Gegenständen keinen psychologischen Charakter zuordnen, nach welchem sie eigenständig agieren, doch ganz so ohne irgend ein Sein ist es auch nicht. Auch wenn man sagte, und dies vor allem vom Menschlich-Psychologischen Stand her: "das Wesen der Dinge ist Leerheit". Um wiederum auf den Umstand hinzuweisen, dass die Gegenstände nicht bloß allein, oder für sich überhaupt nicht, nach dem Blickwinkel und was man psychologisch in ihnen sieht, diesem teleologischen Charakter allein dienlich zugehören.

Auf der anderen Seite, wie von Meister D.K. erklärt wird, und was selbst von Kant und Husserl auch erwähnt wird, liegt einiges darin, zu lernen, was das Sein oder genauer gesagt, was das Selbst ist, und was das Nicht-Selbst ist. So banal es zunächst klingt, dass man sich selbst vom Gegenstande als unabhängig wahrzunehmen vermag. Doch vieles wird so für selbstverständlich als für das eigene angenommen, nur weil es im Sinneskreis oder sonstigem Gewahrsein fasslich vorhanden ist. Es beginnt eben damit, dass man selbst einen Gegenstand von seiner Sinneswahrnehmung nicht mehr als getrennt beurteilt, sondern diesen, gemäß dem Sinneseindruck allein und ihm so auch nur diesem Zweck zugehörig ansieht. Und sämtliche Urteilskraft daraufhin setzt dort an, anzunehmen, man hätte diesen Gegenstand gänzlich für sich erkannt. Obwohl man nur eine gewisse Fassette davon hat und den Rest sich hinzudenkt.

Nach D.K. gehört es sogar zu einem längeren und sehr umfassenden Entwicklungsprozess einer Gattung, die im Bestreben ist ihr Seelengewahrsein zu erlangen und zu entwickeln, zuerst zu erkennen, was man alles nicht ist. Und dieses ist keineswegs so banal, wie man es sich zunächst vorstellen mag. Erst wenn man sich hinreichend gelöst mit allem befassen kann, erkennt man immer mehr dann, was man ist. Diesem Erkennen dienen zunächst alle Sinneseindrücke, wie auch diese sich selbst immer weiter entwickeln und verfeinert werden. Oder anders gesagt, alle Sinneseindrücke gehören zu dem, zu erkennen, was man nicht ist (das Nicht-Selbst). Auch wenn dies wieder zu banal gesagt wenig richtig ist, und lediglich zur Anschauung dient. Denn sämtliche Sinneseindrücke, ob Hören, Sehen oder Schmecken, haben vom Kosmischen Stand auch noch weitere Entsprechungen, die dann wiederum eine andere reale Konstante in sich bergen.


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