E.Kästner: Gerechtigkeit (alle)

Devino M., Mittwoch, 09. Mai 2018, 01:58 (vor 70 Tagen) @ Devino M.

"Wir müssen unseren Teil der Verantwortung für das, was geschieht, und für das, was unterbleibt, aus der öffentlichen Hand in die eigenen Hände zurücknehmen."

- Erich Kästner -
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Man kann dem Durchschnittsmenschen die tollste Zukunft erzählen, wie es denkbar sein könnte, und stets wird man ein "aber" hören. Fragte man nun, woran es scheitert, das dem so ist, und warum das Nächstnatürliche, das zum besten aller wäre, nicht einfach umgesetzt wird, erhält man als Antwort, "dass es an den Reichen liegt, die nicht teilen wollten", oder "an den Politikern, die nicht willens wären, etwas davon umzusetzen". Nur ist es schwer klar zu machen, dass diese alle, sich aus dem Willen jener speisen, die ihren eigenen Willen nicht bereit sind in ihre eigenen Hände zu nehmen. Die Hoffnungslosigkeit, das Gefühl der Ohnmacht etwas dagegen setzen zu können, ist der eigene Wille der weggegeben wird, in der Überzeugung nichts dagegen unternehmen zu können. Und der feste Glaube, dass dem tatsächlich so ist.

Natürlich wird es immer vorkommen, dass manche ihr Geschäft bloß auf Kosten anderer betreiben, und gar nicht willens genug sind, von sich aus etwas auf die Beine zu stellen. Diese Armen werden auch die ersten sein, die in einer gerechten Welt keinen Fuß mehr auf diese bekommen werden! Da jedes Vermögen, was zusammengehäuft wird, während man sich unter vielen anderen betätigt und von diesen her solches erhält, nur aufgrund anderer vorhanden ist. Armselig sind die Kreaturen, die denken, es wäre ihr eigenes Vermögen, ohne zu bemerken, dass es aufgrund der anderen bloß vorhanden ist und für sich allein keinen Wert hätte, sofern viele andere von dem Wert dessen, nicht insgeheim doch überzeugt wären.

Was einen Wert für sich hat, ist dasjenige, was auch ohne alle anderen noch von Wert und Bedeutung ist. Und dies kann kein Geldvermögen in einer vergänglichen Welt sein. Auch kein Geschäft, welches man auf Kosten oder vermittelst anderer betreiben könnte. Selbstverständlich kann man damit nicht glücklich werden, denn im innersten weiß man doch immer, wie es sich worum verhält, soweit wie man ein Innerstes als sein Innerstes zählen kann. Ebenso wie man selbst gerecht sein sollte und würdigen Charakters, ehe man laut nach Gerechtigkeit verlangte, andernfalls würde man nur zum Unheil über sich selbst aufrufen. Es straft sich selbst, was Strafe wert ist, was nichts wert ist, verschwindet auch von selbst, wenn nichts da ist, was diesem einen Wert bemessen würde.


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