Zur Phänomenologie der Erkenntnisstufen - LU (alle)

Devino M., Samstag, 07. April 2018, 12:52 (vor 248 Tagen) @ Devino M.

Logische Untersuchungen - Edmund Husserl - 2.Band VI.

3.Kapitel - Zur Phänomenologie der Erkenntnisstufen -
§16. Bloße Identifizierung und Erfüllung

Als wir, ausgehend vom sprachlichen Ausdruck einer Wahrnehmung, das Verhältnis von Bedeutungsintention und erfüllender Anschauung beschrieben, sagten wir, das intentionale Wesen des anschaulichen Aktes passe oder gehöre zu dem bedeutungsmäßigen Wesen des signifikativen Aktes. Dasselbe gilt sichtlich in jedem Falle einer totalen Identifizierung, welche qualitativ gleiche, also setzende und setzende, oder nichtsetzende und nicht nichtsetzende Akte zur Synthesis bringt; während bei der Verschiedenheit der Qualitäten die Identifizierung ausschließlich in den Materien der beiderseitigen Akte gründet. Dies überträgt sich mit passenden Änderungen auf die Fälle partieller Identifizierung, so dass wir aussprechen dürfen, dass die Materie das für die Identifizierung (und dann selbstverständlich auch für die Unterscheidung) wesentlich in Betracht kommende Moment im Aktcharakter der jeweils zur Synthese kommenden Akte ist.

Für den Fall der Identifizierung sind die Materien die speziellen Träger der Synthese, aber nicht etwa selbst identifiziert. Denn die Rede von der Identifizierung bezieht sich ja ihrem Sinne nach auf die durch die Materie vorgestellten Objekte. Andererseits kommen die Materien im Akte der Identifizierung selbst zur Deckung.
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An sich selbst beobachtend sind die Identifizierungsweisen am ersichtlichsten von allem. Das was man unbedingt sein möchte, ist man nicht, sonst wäre kein Verlangen danach gegeben. Und was man ist, das ist einem in keinem Eigeninteresse von übergeordneter Bedeutung gegeben, sondern an sich selbst vorhanden. Das was man nicht sein möchte, das ist man mit weit höherer Wahrscheinlichkeit, sonst hätte ein dawiderstreben keinerlei Bewandtnis für einen.

Im Falle einer Handlung, wenn man meint etwas zu sein, wäre es aber tatsächlich nicht (in dem Moment), so würde die Handlung in einem anderen Verhältnis als dem angenommenen stehen. So hätte alles also auch leicht eine andere Zusammenstellung und Bedeutung, als die von der man ausgeht.

Auf die Gegenständlichkeit bezogen, und wäre es nicht das Intendierte, oder wenn man sich selbst völlig im unklaren wäre, dann kann es alles und alles nichts bedeuten, wenn es nicht zuträfe. Klar, man wird nicht jederzeit den Raum und die Zeit finden können alles zu reflektieren, doch wenn gegeben, sollte man es sich möglichst nicht entgehen lassen. So kann man oft in dem Moment nur erwarten, auch intendieren und erhoffen, dass etwas hinter einem steht, was im übergeordnetem Sinne allem einen Sinn verleiht.

Einen Anspruch kann man unter allen Vorannahmen jedoch nicht erheben. Deswegen sollte man nicht in Form von Geltungsansprüchen kommunizieren (dies ist das und jenes ist dies etc.). Damit es hinterher nicht lediglich zur eig'nen Peinlichkeit gereicht - wobei immerhin zumindest dann erst, auch das negative Ego wieder dezimiert und in die natürlichen Schranken verwiesen wird.

Hier eignet sich wieder das Beispiel der Gegenständlichkeit zur Veranschaulichung, denn sofern etwas Gesagtes mit dem auf jeweilige Materien Bezogenem vollständig Deckungsgleich ist, reden wir von vollständiger Identifizierung. In vielen Fällen aber nur von partieller Identifizierung, allein schon durch gewisse wechselnde Qualitäten die im Spiel sind und vielem mehr. Also wäre ein vollständig kommunizierter Geltungsanspruch von einer vollständigen Identifizierung und Identitätssetzung nicht zu trennen. Allerdings dann auf das bezogen, was gerade da ist, was keineswegs Deckungsgleich mit dem sein muss, was sich in der eigenen Annahme vorfindet usw. Der gesetzte Einsatz bleibt jedoch im Spiel alsdann.. viele Dinge sind sehr banal, allerdings sollte man sich damit dennoch irgendwo mal befasst haben, andernfalls können sie ebenso auch sehr fatal sein (in ungünstigen Fällen)...


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