Affekte - KdU (alle)

Devino M., Mittwoch, 28. März 2018, 00:42 (vor 237 Tagen) @ Devino M.

Kritik der Urteilskraft - Immanuel Kant - 1.T. 1.A. 2.B
- Allgemeine Anmerkung zur Exposition der ästhetischen reflektierenden Urteile -

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Ein jeder Affekt von der wackern Art (der nämlich das Bewusstsein unserer Kräfte, jeden Widerstand zu überwinden (Animi strenui) rege macht) ist ästhetisch erhaben, z.B. der Zorn, sogar die Verzweiflung (nämlich die entrüstete, nicht aber die verzagte). Der Affekt von der schmelzenden Art aber (welcher die Bestrebung zu widerstehen selbst zum Gegenstande der Unlust (animum languidum) macht) hat nichts Edeles an sich, kann aber zum Schönen der Sinnesart gezählt werden. Daher sind die Rührungen, welche bis zum Affekt stark werden können, auch sehr verschieden. Man hat mutige, man hat zärtliche Rührungen. Die letztern, wenn sie bis zum Affekt steigen, taugen gar nichts; der Hang dazu heißt die Empfindelei. Ein teilnehmender Schmerz, der sich nicht will tröten lassen, oder auf den wir uns, wenn er erdichtete Übel betrifft, bis zur Täuschung durch die Phantasie, als ob es wirkliche wären, vorsätzlich einlassen, beweiset und macht eine weiche aber zugleich schwache Seele, die eine schöne Seite zeigt, und zwar phantastisch, aber nicht einmal enthusiastisch genannt werden kann.

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Das was man erarbeitet, kann einem keinen Raum nehmen, auch kann es darin keinen Mangel an Raum für einen geben. Wie auch? Darin, wo man selbst nichts erarbeitet oder dieses in der Weise erweitert oder ergänzt, da nutzt man den Raum, der bereits da ist. Im äußersten Falle grätscht man irgendwo rein. Alles völlig banal und selbstredend!

Setzt man dazu noch auf Provokation und Affekte, statt auf das, was man eigens beiträgt, ist es zusätzlich ein Versuch auf Kosten anderer in Bewegung zu kommen. Nichts ist erbärmlicher als sich in der Weise betätigen, bewegen oder einbringen und positionieren zu wollen. Denn nicht nur der Raum ist nicht der eigene, sondern auch die Kraft ist nicht die eigene. Wie sollte daraus also je etwas entstehen?

Es ist ein Unterschied, ob man nun eine Intention einsetzt, um damit etwas zu erarbeitet, oder nur um sich selbst in irgend einer Weise einen Vorteil zu verschaffen oder zu erleichtern, von dem, was man selbst in sich zu Gunsten einer größeren Einheit zu tätigen hat. Jedenfalls vertut man schnell nicht nur seine eigene, sondern auch die Zeit aller anderen.

Edel ist es, sich einer Sache zu widmen und das, was man erarbeitet, dem größeren Gesamten zuzuführen, ohne einen Gedanken daran, was es mit einem selber zu tuen hätte. Jedenfalls sollte keine übermäßige Intention in Affekten liegen. Nicht in den eigenen, noch sich der Vorteile, die sich ergeben, wenn man Affekte anderer intentioniert und für sich nutzbar machen wollte...


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