Räumliches Vorstellungsvermögen - LU (alle)

Devino M., Montag, 02. Oktober 2017, 01:11 (vor 355 Tagen)

Logische Untersuchungen - Edmund Husserl - 2.B.III.1.K.
§7. Schärfere Ausprägung unserer Bestimmung durch Einführung der Begriffe reines Gesetz und reine Gattung

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Das Nicht-für-sich-existieren-können eines unselbständigen Teiles besagt demnach, dass ein Wesensgesetz bestehe, wonach überhaupt die Existenz eines Inhalts von der reinen Art dieses Teiles (z.B. der Art Farbe, Form u.dgl.) voraussetze die Existenz von Inhalten gewisser zugehöriger reiner Arten, nämlich (falls dieser Zusatz noch nötig ist) von Inhalten, denen er als Teil oder etwas ihnen Anhaftendes, an sie Angeknüpftes zukomme. Einfacher können wir sagen: Unselbständige Gegenstände sind Gegenstände solcher reinen Arten, in Beziehung auf welche das Wesensgesetz besteht, dass sie, wenn überhaupt, so nur als Teile umfassenderer Ganzen von gewisser zugehöriger Art existieren. Eben dies meint der knappere Ausdruck, sie seien Teile, die nur als Teile existieren, die nicht als etwas für sich Seiendes gedacht werden können. Die Färbung dieses Papiers ist ein unselbständiges Moment desselben; sie ist nicht bloß faktisch Teil, sondern ist ihrem Wesen, ihrer reinen Art nach zum Teil-sein prädestiniert; denn eine Färbung überhaupt und rein als solche kann nur als Moment in einem Gefärbten existieren. Bei selbständigen Gegenständen mangelt ein solches Wesensgesetz, sie können, aber sie müssen sich nicht in umfassendere Ganze einordnen.
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Gewiss, ein Kopf kann, losgetrennt von dem Menschen, der ihn hat, vorgestellt werden. Eine Farbe, Form u.dgl. ist in dieser Weise nicht vorstellbar, sie bedarf eines Substrats, an dem sie zwar exklusiv bemerkt, von dem sie aber nicht abgelöst werden kann. Aber auch der Kopf, etwa in visueller Hinsicht, kann "nur für sich bemerkt" werden, denn er ist unausweichlich als Bestandteil eines gesamtes Gesichtsfeldes gegeben; und wenn wir ihn nicht als Bestandteil fassen, wenn wir von dem Hintergrund, als etwas ihm sachlich Fremdes und Gleichgültiges, "abstrahieren", so liegt dies nicht an der Besonderheit des Inhalts, sondern an den Umständen der Dingauffassung.

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Eine Wahrnehmungsart ist mit für das verantwortlich, wie weit also für uns ein Gegenstand zur selbständigen Existenz geeignet ist, oder doch nur in unselbständiger Weise als Teil von einer umfassenderen Sache einen Wesenszusammenhang bildet.

Doch was wäre, wenn aus einer anderen Selbstwahrnehmung und Weltanschauung daraus gesehen würde? Könnte es da nicht andere Formen einer selbständigen Existenz der für uns selbigen Gegenständlichkeiten ergeben? Welche einen anderen Zusammenhang auf einer Ebene bildet, und die für uns unselbständige Gegenständlichkeit zu einer selbständigen zu erheben vermag?

Denn in der Welt der Zahlen z.B., hat jede Zahl eine Eigenständigkeit und Bedeutung. In der Welt der Farben hat jede Farbe ihre vollständige Eigenheit, usw. Also kann es durchaus in einer anderen Auffassung des Weltgeschehens und so in einer anderen Art Wahrnehmung, die vielleicht einer uns gänzlich befremdlichen entspricht, auch eine andere Art einer gesonderten Eigenständigkeit der Dinge geben oder diese der Ebene nach gegeben sein.

Immerhin, wenn für einen Dinge die einen umgeben, eine Links- und Rechtsanordnung abgeben, und man diese durch eine Bedeutungszuweisung hervorheben kann; so würde man diesem, indem man es also von Außen nach Innen holt, und aus dieser Tiefe sodann eine Verbindung von Unten und Oben bildet; und wieder nach außen als einer Art Qualifizierung abgibt, was in jenem Gegenstand eine Vertiefung der hierarchischen Qualität entstehen lässt, so hätte man damit nicht nur eine Links/Rechts, Oben/Unten und Vorne/Hinten-Einbeziehung, sondern das Wechselspielt dessen in der Vorstellung als einer Anschauung umkreist.

Denn ohne einen Hintergrund und ein wahrnehmendes Bewusstsein einer urteilsfähigen Spezies, wäre alles nichts und ohne irgend eine Bedeutung.

Dieses jedoch auf die Anbetung eines Schöpfers bezogen angewandt, lässt wohl die Frage zu, wohin wollte man sich nun verneigen um dem umfassenden Schöpfer Ehrerbietung zu erweisen? Wäre es denn dann nicht am meisten dadurch gegeben, wenn man in alle Richtungen nach bestem Vermögen mit aufrechter Tätigkeit und Hingabe, und in dieser Weise für die eigene Existenz den Dank zu erweisen?!


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